Titelbild für Artikel Von Mensch zu Mensch
TEXT: Silke Becker

Von Mensch zu Mensch

Fast ihr ganzes Leben hat Sabine Möller in der Hotellerie verbracht. Jetzt feiert die bestens vernetzte Hamburger Unternehmerin das 20-jährige Bestehen ihrer CPH Hotels. Das Erfolgsgeheimnis? Kontakte und Kooperation statt knallharter Konkurrenz.

Warmherzig, unkompliziert, herzlich. Mit Sabine Möller wird man sofort warm. Die Unternehmerin hat die Gastfreundschaft einfach im Blut. Dabei wollte sie doch eigentlich nie, nie, nie in die Hotellerie, da war sie sich absolut sicher. Kein Wunder, schließlich musste die Hotelierstochter schon als Kind im elterlichen Fünfzig-Zimmer-Betrieb in Wingst mithelfen, Betten abziehen, die Spülmaschine ausräumen oder Tische eindecken, während ihre Schulfreundinnen spielen gingen. »Das war nicht witzig.«

Was ihr aber damals schon gefiel an der Branche, und was ihr bis heute Antrieb ist: »Ich habe Spaß daran, immer wieder neue Leute kennenzulernen, ich mag Menschen und ihre Geschichten.« Deshalb bewirbt Sabine Möller sich nach dem Abitur zunächst in Reisebüros, doch das Schicksal hatte andere Pläne. »Ich gehöre noch zu den geburtenstarken Jahrgängen und habe trotz guter Noten einfach keinen Ausbildungsplatz bekommen«, grinst sie. Doch die frischgebackene Abiturientin braucht jetzt und sofort eine Lehrstelle, die Bedingung der Eltern für das heiß ersehnte Auslandsjahr in den USA. Notgedrungen bewirbt sie sich in der Hotellerie, aber auch das – heute kaum vorstellbar – ohne Erfolg. »Am Ende klappte es nur über die Kontakte meines Vaters.«

05 Sabine Moeller026 Redless

Das Kraut gegen wenig Gestaltungsmöglichkeit: die eigene Firma CPH

Schnell verkaufen funktioniert nicht

Zurück aus den USA startet sie ihre Karriere im Hotel Reichshof in Hamburg. Die anfängliche Lustlosigkeit hält nicht lange an, Sabine Möller fängt Feuer. Das fällt auch ihren Vorgesetzten auf, nach der Abschlussprüfung wird sie übernommen. Man ist so angetan von der ehrgeizigen jungen Hotelfachfrau, dass man ihr für eine längere Neuseeland­reise sogar monatelang den Arbeitsplatz frei hält, später sogar eigens für sie eine Stelle als Verkaufsrepräsentantin einrichtet, »genau die Aufgabe, die ich damals haben wollte«. Dann, einige Zeit später, der Riesenfrust für die hoch motivierte Nachwuchskraft: Die Position ihrer Vorgesetzten wird frei, Sabine Möller rechnet fest mit einer Beförderung, doch: Fehlanzeige. »Mir wurde eine neue Chefin vor die Nase gesetzt.« Die lapidare Begründung: »Keine Hotelfachschule.«

Sabine Möller:

1963 geboren in Otterndorf (nahe Cuxhaven)

1982 Abitur, USA-Aufenthalt

1983–1989 Hotel Reichshof in Hamburg, Ausbildung zur 
Hotelfachfrau, Aufstieg bis zur Verkaufsrepräsentantin

1989–1991 Hotelfachschule Hannover, staatlich geprüfte Hotelfachwirtin

1991–1993 Verkaufsleiterin Dorint Hotel Hamburg Airport

1993–1996 Verkaufsleiterin Ringhotels Deutschland

1997 Gründung der City Partners Hotelmarketing GmbH

2007 Erweiterung auf Country Partner Hotels sowie auf 
Conference Partner Hotels

2017 CPH Hotelmarketing beschäftigt zehn Mitarbeiter 
und betreut über fünfzig Häuser

Die ehrgeizige 26-Jährige zieht die Konsequenzen. Sie kündigt und macht an der Hotelfachschule Hannover ihren Betriebswirt. »Eine tolle Zeit.« Auch hier nutzt sie ihr größtes Talent: Beziehungen aufbauen, Menschen miteinander vernetzen. Sabine Möller wird Schulsprecherin, organisiert den Abschlussball, fährt zu Meetings der Branche.

Nach dem Abschluss wechselt sie in das damals neue ­Dorint Hotel Hamburg Airport, wird dort mit diversen Schulungen zur Verkaufsleiterin aufgebaut. »Was ich da gelernt habe, hat mir bestätigt, dass ich vieles schon vorher intuitiv richtig gemacht habe«, sagt Möller. Und das wäre? »Verkaufen ist wie der Aufbau einer neuen Freundschaft. Mal schnell verkaufen, das funktioniert einfach nicht.« Und gilt das auch heute noch, im Zeitalter des Internets? »Natürlich hat sich die Distribution durch die elektronischen Tools weiterentwickelt und die Technisierung wird in Zukunft noch weiter zunehmen«, so die Fachfrau. »Trotzdem stehen dahinter Menschen, und Geschäfte werden nach wie vor zwischen Menschen gemacht.«

Ausgebremst? Selbst machen!

Nach zwei erfolgreichen Jahren im Dorint wird die Verkaufsleiterin von den Ringhotels Deutschland abgeworben, soll dort das Marketing komplett neu aufbauen, »eine tolle Herausforderung«. Anfangs hat Möller viel Spaß, wird aber zunehmend unzufrieden, ärgert sich über »zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten, zu wenig Entscheidungsfreiheit«. Die ehrgeizige Verkaufsleiterin will Dinge anschieben, etwas bewegen, fühlt sich ausgebremst. »Bestimmt war ich keine angenehme Mitarbeiterin«, sagt sie rückblickend. »Ich war hoch motiviert und habe damals einfach nicht verstanden, dass man auch mal abwarten muss.« Entnervt wechselt sie nach zwei Jahren in die Verkaufsleitung der City & Country Line Hotels, dort läuft es genauso, nach wenigen Monaten wirft sie das Handtuch.

Möller hat keine Lust mehr, sich woanders noch mal zu ärgern. Sie startet lieber ihr eigenes Ding und gründet City Partners Hotelmarketing (CPH). »Ich wollte alles anders und natürlich besser machen und ich hatte nichts zu verlieren.« Ihre Idee: Eine Kooperation mit klarer Fokussierung auf unabhängig geführte Häuser mit etwa fünfzig Zimmern im Drei- bis Vier-Sterne-Segment in Städten ab 25.000 Einwohnern, Zielgruppe Firmenkunden. Die 33-Jährige schreibt ein Konzept, lebt von der mickrigen Unterstützung der Arbeitsagentur. »Ich habe überall die Kühlschränke leer gefuttert.«

Aus ihrem WG-Zimmer heraus telefoniert sie sich monatelang die Finger wund, stellt sich bei interessanten, gut geführten Häusern persönlich vor, gewinnt innerhalb von nur sechs Monaten 21 Kooperationspartner. »Durch meine bisherigen Tätigkeiten hatte ich gute Kontakte, das ist mir zugutegekommen.« Geschenkt wird ihr trotzdem nichts, die nächsten fünf Jahre arbeitet sie praktisch ohne Pause. »Das war ein ganz langsames Wachstum.« Im Laufe der Jahre – »die Kunden wollten es so« – erweitert sie ihr Portfolio, bietet mit den Country Partner Hotels eine Kooperation für ähnliche Häuser in Urlaubsdestinationen und mit den Conference Partner Hotels denselben Service für Tagungshotels.

05 Sabine Moeller037 Heller

Aufsteigerin: Auf Studenten-WG und Arbeitslosengeld folgt
Stadtvilla und eigene Kooperation

Erfolg nur im Miteinander

»Wir müssen mehr miteinander kommunizieren. Es geht nur im Miteinander«, mahnt Möller, die sich schon seit Jahren in der HSMA, dem VDR und jetzt auch in der IHA engagiert. »Die Dinge ändern sich immer schneller, der einzelne Hotelier kann schon aus Zeitgründen nicht mehr alles selbst schaffen.« CPH versteht sie als ausgelagerte Marketing­abteilung, die dem Hotelier Lösungen und Know-how bietet und dadurch viel Arbeit abnimmt. »Natürlich braucht man zusätzlich auch die OTA für die Reichweite.« Die aktuellen Konzentrationstendenzen sieht sie sehr kritisch. »Wir brauchen auch hiesige Anbieter wie HRS, denn sonst haben wir bald zu wenig Wettbewerb.«

Den Sprung in die Selbstständigkeit hat Sabine Möller ­übrigens nie bereut. »Der Markt war und ist groß genug. Man kann auch heute noch seine Lücke finden«, ist sie überzeugt. Inzwischen beschäftigt die 54-Jährige zehn Mitarbeiter und macht rund 750.000 Euro Umsatz pro Jahr, unterrichtet außerdem an der Hotelfachschule Hamburg. Aus dem WG-Zimmer von damals ist eine groß­zügige Stadtvilla geworden, klassischer Hamburger Altbau mit Holzdielen und hohen Decken. Oben wohnt sie, unten sind die Büros. Ihr Leben ist ihre Arbeit und ihre Arbeit ihr Leben. Mitten in der Nacht mal schnell ein paar Mails schreiben, das ist für sie »ganz normal«, und bei längeren Telefonaten zupft sie gern nebenher das Unkraut im Garten. Sie sprüht vor Ideen, will am liebsten alles gleichzeitig, und das gestern schon. »Ich bin manchmal eine anstrengende Chefin«, räumt sie ein. Trotzdem ist sie alles andere als eine verbiesterte Karrierefrau, sondern einfach gut drauf, lacht oft und gern, hat keine Probleme damit, wenn ihre Mitarbeiter sie auch mal bremsen.

Natürlich kennt Sabine Möller alle wichtigen Namen der Branche, ist mit vielen auch privat befreundet. »Gute Beziehungen sind für mich extrem wichtig.« Am allerwichtigsten ist für sie aber der Mann an ihrer Seite, der sie seit 15 Jahren begleitet. Mit ihm genießt sie das Leben, das sie sich aufgebaut hat, und die schönen Dinge. Doch »wenn morgen alles weg wäre, würde es trotzdem weitergehen«. Denn eines ist für sie völlig klar: »Es gibt zwar keine Garantien im Leben, aber es gibt immer eine Lösung.«