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TEXT: Jacqueline Brunsch

Türöffnung mit Signalwirkung

Türöffnung und Check-in per Smartphone: Im Hyperion Hotel Hamburg, dem ehemaligen Ramada Hamburg City Center, geht das jetzt per App von Conichi. Gäste und Personal freuen sich über die Zeitersparnis. Und das Gute daran: Gäste können die App auch in anderen Hotels nutzen.

Zwischen Vision und Realität klafft oft noch eine riesige Lücke: Ein Großteil der Hotellerie weltweit geht zwar davon aus, dass im Jahr 2020 vor ­allem Digital Natives bei ihnen einchecken werden. Allerdings reagiert die Branche nicht entsprechend: Wie die Studie »Die Hotelindustrie im Jahr 2020« von Peter O’Connor, Professor an der ESSEC Business School, belegt, ist die Hotellerie beim Einsatz neuester Branchentechnologie beim Stand der 2000er-Jahre hängen geblieben.

06 Andreas Von Reitzenstein

Andreas von Reitzenstein: Zeitersparnis von zwanzig Prozent

Einen großen Schritt weiter sind dagegen die H-Hotels: Seit Dezember ist im Hyperion Hotel Hamburg, dem Pilotprojekt der Gruppe, der mobile Zimmerzugang möglich, und auch der Check-in funktioniert im wahrsten Sinne im Vorübergehen. Der pragmatische Gedanke: Apps sind längst im Alltag von Smartphone-Nutzern integriert – warum sie also nicht auch in der Hotellerie anbieten?

Beschleunigung um bis zu zwanzig Prozent

Möglich wird die mobile Türöffnung beim Haus an der Amsinckstraße durch ein Bluetooth-basiertes App-Angebot, das vom IT-Start-up Conichi entwickelt worden ist (vergleiche »Smartphone statt Schlüssel«, Check-in 2/2017): Gäste können damit auch vorab einchecken, sich über nützliche Hotelservices per Pushnachrichten informieren lassen und per App bezahlen. Mit diesem Service setzen die Verantwortlichen der ­H-Hotels vor allem ein Signal: »Wir streben die digitale Innovationsmarktführerschaft an«, sagt H-Hotels-Vorstand und CCO Andreas von Reitzenstein selbstbewusst. Ein Anfang ist vorerst gemacht: Der Hotelbetreiber ist deutschlandweit der erste, der auf die Conichi-Technologie gesetzt hat.
Das Ziel dahinter: Prozessoptimierung. Von Reitzenstein verspricht sich von der Integration der App verkürzte Arbeitsvorgänge für sein Team und dadurch nicht nur geringere Wartezeiten für seine Gäste, sondern auch einen stark individualisierten Service am Front-Office. Denn beide Seiten würden erheblich Zeit sparen, wenn beispielsweise ein Großteil des Check-ins digital durchgeführt wird – langfristig sei gar eine Beschleunigung um zwanzig Prozent realistisch. Ähnlich ist es mit der smarten Türöffnung: »Es ist eben unkomplizierter, statt der Zimmerkarte auch das Smartphone zücken zu können.«

Ein erster Erfahrungswert rund hundert Tage nach Einführung beweist, dass die smarte Türöffnung kein überflüssiger Schnickschnack ist: Sowohl Freizeitreisende als auch Geschäftsgäste und deren Arbeitgeber zeigen laut dem CCO starkes Interesse an der Technologie – auch wenn die höchste Tagesnutzungsrate unter den Gästen bisher bei maximal fünf Prozent lag. »Prozessoptimierungen sind gerade im Travelbereich immer relevant. Es werden sicher noch mehr Nutzer werden«, glaubt von Reitzen­stein an das Potenzial.

Beim Hamburger Versuchsobjekt hat die Integration grob zehn Monate Zeit gekostet. Durch die Einführung der App seien schließlich auch Mitarbeiterschulungen und operative Prozessbeschreibungen nötig gewesen. »Auch die Einrichtung einer Schnittstelle zu unserem Property-­Management-System Oracle Opera, die nun auf jedes unserer Hotels adaptiert werden kann«, ist in die Kostenrechnung eingeflossen.

Am meisten Zeit habe aber die Programmierung der Schlösser auf das erforderliche Bluetooth-Low-Energy-System in Anspruch genommen. »Insgesamt hat das für alle Türen zwar nur einen Tag ausgemacht, aber wir mussten wegen der hohen Zimmerbelegung Stück für Stück vorgehen«, sagt von Reitzenstein und fügt scherzend hinzu, dies müsse man eben in Kauf nehmen, wenn man sein Pilothotel gerade wegen der guten Auslastungsrate aussuche.

Doch auch wegen seines Standorts in Deutschlands zweitgrößter Stadt hat das Hyperion Hotel Hamburg für die kommenden Umrüstungsprojekte Modellcharakter: Etwa sechzig Prozent der gefragtesten Hotels der Dachmarke in Metropolen sollen bis zum Jahresende mit der Tür­öffnungs­technologie ausgestattet werden, darunter Häuser wie das Hyperion Hotel in Berlin und das H4 Hotel in München.

Auch deshalb ist die Conichi-Technik aus Sicht der ­H-Hotels ideal: Die App ist plattformübergreifend nutzbar und »nicht an einen bestimmten Schlosshersteller oder -typus gebunden – das ist bei einer schnellen Aufrüstung sehr wichtig«, erklärt von Reitzenstein. Sein Ziel: »Bis spätestens 2019 sollen nicht nur zehn neue Häuser eröffnen, sondern sich auch alle rund 10.000 Zimmertüren der Hotels mobil öffnen lassen.«