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TEXT: Jürgen Baltes · Fotos: Roman Pawlowski

Start me up!

Interview mit dem Firmengründer Maximilian Waldmann.

Es sind oft junge, innovative Unternehmer, die einem Markt richtungsweisende Impulse geben. Auch die Hotellerie profitiert immer wieder von Start-ups und ihren Gründern wie Maximilian Waldmann, der Conichi ins Leben gerufen hat. Was ihn antreibt, erzählt er im Gespräch.

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Ein bisschen verrückt: dreifacher Firmengründer mit 24 Jahren

Maximilian Waldmann ist erst 24 - und schon dreifacher Start-up-Unternehmer. Mit einem Freund hat er nun Conichi gegründet: eine Firma, die mit Funkchips, sogenannten Beacons, den Kontakt zwischen Hotelier und Gast persönlicher machen will. Conichi reiht sich damit ein in eine lange Reihe junger Unternehmen, die eingefahrene Strukturen aufbrechen, weil ihre Gründer die Dinge neu denken. So war es bei Apple-Gründer Steve Jobs und bei Elon Musk, der den elektrischen Luxuswagen Tesla zum Rollen gebracht hat. Bei HRS hält man die Funkchip-Idee für derart erfolgversprechend, dass Conichi nun mit einer größeren Summe Innovationskapital ausgestattet wurde. Wie Conichi funktioniert wird hier Am Computer? Nein, am Gast! erklärt.

Herr Waldmann, Sie haben schon mehrere Firmen gegründet. Was war Ihre erste Geschäftsidee? Das war noch in der Schule, mit 15. Da hatten wir einen Hund, mit dem ich immer Gassi gehen musste. Irgendwann haben mir die Nachbarn für ein Taschengeld ihre Hunde mitgegeben, bei einem Freund war es genauso. Da kamen wir auf die Idee, Helping Hands Frankfurt zu gründen, eine Plattform, die arbeitssuchende Schüler und Studenten mit Unternehmen und Privatleuten zusammenbringen sollte. Während des Studiums im englischen Bath haben mein Mitbewohner und ich dann ThePlac.es aufgebaut, einen digitalen Reiseführer. Das war eine neue Dimension: Aus unserem kleinen Studentenzimmer heraus haben wir plötzlich mit der ganzen Welt konkurriert – und sind erstmals auch mit Venture Capital (Risikokapital, das Unternehmen zur Verfügung gestellt wird, Anm. d. Red.) in Berührung gekommen.

Wie kommt man an Venture Capital? Indem man an sehr viele Türen klopft. Mit Conichi etwa haben wir uns innerhalb von sechs Monaten bei gut 150 Investoren vorgestellt. Das erfordert einen langen Atem. Am Ende hatten wir mehrere Angebote vorliegen und uns dann für HRS entschieden, weil wir am besten miteinander harmonierten.

Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit ist oft fließend.

Die Conichi-Gründer

Maximilian Waldmann und Frederic Haitz sind Entrepreneure. Die beiden Mittzwanziger kennen sich schon seit vielen Jahren. Bevor Waldmann sein Studium begann, zog es ihn für ein Jahr nach Afghanistan, um dort ein führendes Logistikunternehmen zu unterstützen. Nach dieser Erfahrung hat er sein Business-Studium im britischen Bath und an der Management University in Singapur absolviert. Bereits während des Studiums hat er bei der Privatbank Kleinwort Benson, der Unternehmensberatung KPMG und Rocket Internet gearbeitet, einer Beteiligungsgesellschaft für Internet-Unternehmen.
Ähnlich liest sich die Vita von Frederic Haitz. Der 27-Jährige hat an der Londoner Cass Business School studiert, unter deren bekannten Absolventen sich auch Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou oder Coca-Cola-CEO Muhtar Kent finden. Auch Haitz hat schon während des Studiums gearbeitet, etwa bei Roland Berger, Credit Suisse und der Unternehmensberatung DKSH. Bekannt geworden ist Haitz mit Ezeep, einem Druckservice für Firmen in der Cloud.

Geht es bei Venture Capital nicht eher um Geld und Ideen statt um Harmonie? Nein, es ist eher wie in einer Liebesbeziehung. Ob man zusammen kann oder nicht, entscheidet sich oft schon im ersten Meeting. Und der Geldgeber investiert nicht primär in die Idee, wie viele glauben, sondern in das Team. Ein Beacon-System für die Hotellerie zu entwickeln ist zwar komplex, kann aber von einem guten Team recht schnell nachgebaut werden. So wie wir morgen online Schuhe verkaufen könnten. Doch damit wären wir noch lange nicht Zalando. Wichtig ist, ob ein Unternehmen auch die Power hat, eine Idee in den Markt zu tragen.

Was macht ein Team aus Ihrer Sicht erfolgreich? Dass alle das gleiche Ziel vor Augen haben und wissen, wie es zu erreichen ist – egal, mit welcher Mentalität man es angeht. Das habe ich bei Google in Singapur erlebt. Die Teams dort sind unglaublich produktiv, weil die Mitarbeiter freundschaftlich miteinander verbunden sind, sich verstehen und vertrauen, obwohl nicht alle gleich denken und ticken. Natürlich geht es zunächst immer ums Fachliche, das muss passen. Aber genauso wichtig sind für mich die Geschichte und der Mensch hinter einem Lebenslauf. Daher frage ich mich in Vorstellungsgesprächen stets, ob ich Lust hätte, mit diesem Bewerber ein Bier trinken zu gehen.

Klingt das nicht ein wenig nach Ponyhof? Im Gegenteil, wir arbeiten alle ziemlich viel. Oder andersherum gesagt: Jeder hier könnte vermutlich einen gut bezahlten sicheren Job haben, bei einer Unternehmensberatung oder Bank. Er könnte um 18 Uhr seinen Laptop zuklappen, nachdem er irgendeine Präsentation zusammengebaut hat, die ihn persönlich vermutlich nicht besonders weitergebracht hat. Doch wir haben uns bewusst für diesen Job entschieden, weil wir etwas Sinnvolles tun und etwas bewegen wollen – ein wichtiges Merkmal unserer Generation übrigens.

Das Gäste-Erlebnis ist über die Jahre immer unpersönlicher geworden.

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Bewusste Entscheidung gegen sicheren Job: Maximilian Waldmann

Die Conichi-Geschichte

Vor anderthalb Jahren, Anfang 2014, haben die befreundeten Jungunternehmer Maximilian Waldmann und Frederic Haitz ihr Unternehmen Conichi gegründet, mit Sitz im Herzen Berlins. Seit September läuft der Livebetrieb. Dann werden sukzessive Hotels mit der Technik ausgestattet, welche die Beziehungen zwischen Hoteliers und ihren Gästen revolutionieren soll.
Dass man hier tatsächlich von einer kleinen Revolution sprechen kann, davon zeugen mehrere Preise, die das Unternehmen in seiner jungen Geschichte bereits eingeheimst hat. Im vergangenen Jahr ist Conichi beim Web Summit in Dublin als »Alpha Start-up« gekürt worden, hat bei den internationalen iiAwards gepunktet und beim zweiten Beacon Summit in München den Publikumspreis abgeräumt. Von der Initiative Mittelstand gab es den Innovationspreis IT. Und beim jüngsten »Sprungbrett«-Wettbewerb des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR) schaffte es Conichi auf den dritten Platz. Ein hochrangiger SAP-Manager wird sogar mit der Aussage zitiert, Conichi habe »das Potenzial, die gesamte Hotelwelt zu verändern«.

Ihrer Generation sagt man auch nach, dass sie Wert auf eine gesunde Work-Life-Balance lege … Stimmt, der Feelgood-Faktor ist enorm wichtig. Ich selbst brauche dafür zum Beispiel Sport. Wenn es mir gut tut, Montagfrüh bis elf Uhr laufen zu gehen, dann tue ich es – und sitze dann vielleicht abends länger. Gleiches gilt für meine Mitarbeiter. Jeder soll seinen Tag so selbstbestimmt wie möglich gestalten. Wobei die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit oft fließend ist. Mit meinem Partner Fredo (Frederic Haitz, zuvor Gründer des Start-ups Ezeep, Anm. d. Red.) dieses Unternehmen aufzubauen, macht einfach so viel Spaß, dass wir gar nicht so groß differenzieren, ob wir jetzt gerade arbeiten oder frei haben.

Welcher Typ muss man als Entrepreneur Ihrer Meinung nach sein? Ein bisschen verrückt wahrscheinlich. Auf jeden Fall optimistisch, aber nicht zu euphorisch. Man muss immer den Blick fürs große Ganze haben. So wie ein guter Schachspieler, der stets etliche Züge vorausdenkt. Und man sollte Spaß am kontinuierlichen Feuerlöschen haben, denn das gehört dazu.

Was war Ihr bislang härtester Moment? Vermutlich das Gespräch mit meinen Eltern (lacht). Meine beiden Brüder studieren Medizin, mein Vater ist Mediziner, und ich sollte diesen Weg auch einschlagen. Doch das war nicht mein Ding. Standhaft zu bleiben, wenn dann alle mit Engelszungen auf einen einreden, das war hart.

Woher hatten Sie das Kapital für die Gründung? Ich habe immer gearbeitet, während der Semesterferien oder als die anderen auf Bachelor-Fahrt gingen. All meine Zeit und meine Ressourcen habe ich praktisch komplett in den Unternehmensaufbau gesteckt.

Und die Idee mit Conichi, wie kamen Sie darauf? Bei Google in Singapur durfte ich an einem Projekt mitarbeiten, das zum Ziel hatte, Reiseservices zu personalisieren und individueller zu gestalten. Dass sich hier ein gewaltiges Potenzial für die Hotelwelt auftut, ist mir sofort klar gewesen. Denn das Gäste-Erlebnis in Hotels ist über die Jahre immer unpersönlicher geworden. Den Erfolg von Airbnb beispielsweise führe ich denn auch gar nicht so sehr auf günstigere Preise zurück, sondern vor allem auf das Bedürfnis der Reisenden nach einem individuellen Erlebnis.

Wird die Hotellerie da gegenhalten können? Sie muss. Und genau dafür wollen wir sorgen. Seit September sind wir mit Conichi im Live-Betrieb. In den kommenden Monaten statten wir kontinuierlich neue Hotels mit unserer Technik aus. Gut möglich, dass Sie schon bald in einem Hotel mit Conichi-Technologie übernachten werden.