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TEXT Tinga Horny

So wird man »Most Wanted«

Mit knapp hundert Häusern zählt die Budget-Hotelkette B&B Hotels zu Deutschlands »Hidden Champions«. Noch nie ist eine Hotelmarke so erfolgreich gewesen, dass sie dreimal hintereinander den begehrten »Most Wanted Investment Partner Award« der Unternehmensberatung Treugast Solutions Group gewonnen hat.

Facts & Figures B&B Hotels 

Gründung: 1990 als Groupe B&B Hôtels der Firma Galaxie S. A. in Frankreich
Deutschland: 1998 wird die Galaxie GmbH gegründet, das erste Haus im September in Ingolstadt eröffnet. 2006 firmiert das deutsche Tochterunternehmen zur B&B Hotels GmbH um.
Wachstum: Mit der Umfirmierung steigt das Tempo der Expansion in der Bundesrepublik. Statt jährlich ein bis zwei Häuser entstehen nun in immer schnellerer Folge Hotels. 2009 eröffnen erstmals über zehn Häuser in einem Jahr. 2018 sind Eröffnungen in Berlin (Messe), Bremen-Überseestadt, Hamburg-Wandsbek sowie Trier geplant.
Übernahme: 2016 steigt das Private-Equity-Unternehmen PAI mehrheitlich bei der B&B Hotels GmbH ein. Das Tempo der Expansion erhöht sich auf rund 16 Häuser pro Jahr.
Zahl der Hotels: Bis Ende 2017 soll es in der Bundesrepublik 102 Häuser mit über 10.500 Zimmern geben. Frankreich kommt auf mehr als 250, Italien auf 27 und Spanien auf zwanzig Hotels. In Polen existieren aktuell fünf B&B Hotels, in Tschechien sowie Marokko ist die Economy-Kette mit je einem Hotel vertreten.
Expansion international: Im Fokus stehen Belgien, Brasilien, die Niederlande, Österreich, die Schweiz mit insgesamt dreißig Neueröffnungen pro Jahr.

Wenn Preise vergeben werden, dann strahlen sie Glanz und Renommee gleichermaßen auf Gewinner und Preisverleiher aus. So auch beim alljährlichen »Most Wanted Investment Partner Award«, den die Unternehmensberatung Treugast Solutions Group vergibt. Wenn in so einem Fall ein Hotelunternehmen wie B&B Hotels diesen Preis immer wieder einheimst, kann das nur heißen, dass da was richtig gut läuft. Nur was?

Im Economy-Segment muss sich B&B Hotels gegen Motel One und Ibis durchsetzen, die mit höheren Bekanntheitsraten punkten. Dennoch ist die B&B Hotels GmbH seit zwanzig Jahren im deutschen Markt präsent und, gemessen an der Anzahl der Hotels, die drittgrößte, im Budget-Segment sogar die größte Hotelkette Deutschlands. Werbung gehört aber offensichtlich nicht zu den Prioritäten der Hotelgruppe.

»Wir sind lokale Gastgeber«

»Auch wenn unser Bekanntheitsgrad noch nicht so hoch ist, das Konzept hat sich als erfolgreich am Markt durchgesetzt«, stellt folglich Max C. Luscher fest, Geschäftsführer der B&B Hotels GmbH in Deutschland. Er sieht vor allem drei Faktoren als entscheidend für den Erfolg seiner Gesellschaft an: ein marktfähiges Produkt, Teamarbeit und strategische Partnerschaften.

Das Produkt ist nicht neu: B&B Hotels gehört schließlich zu den Pionieren in der Zwei-Sterne-Hotellerie. Der Kniff im Konzept besteht jedoch darin, dass von Anfang an die einzelnen Hotels Bezug zu ihrer Umgebung hatten. »Wir sind lokale Gastgeber«, betont Luscher. Wer bei B&B Hotels unter Vertrag steht, wird nicht über einen Kamm geschert, sondern lebt mit seiner Familie vor Ort, ist integriert und wechselt nicht wie bei großen Ketten alle paar Jahre den Standort.

An Bewerbern für Hotels fehlt es nicht. Das Geschäftsmodell kommt potenziellen Hoteliers entgegen, weil der Einsatz geringer als beim Franchising ist. Der Betreiber schließt einen Managementvertrag mit B&B Hotels ab und ist am Umsatz beteiligt. Außer den Personalkosten bleiben keine anderen Ausgaben an ihm hängen. Kandidaten rekrutieren sich idealerweise aus der Abteilungsleiterebene der Hotellerie. »Front-­Office-­Leiter eines großen Vier- bis Fünf-Sterne-Hotels oder F&B-Manager eines Drei-Sterne-Hauses haben von oben und unten Druck. Bei uns sind sie ihr eigener Chef«, erklärt Luscher.

Zum Thema Teamarbeit findet der B&B-Geschäftsführer klare Worte. Es sei eine selbstverständliche Haltung, die von der Erkenntnis gespeist werde, dass es auf die richtigen Mitspieler ankomme und man allein heutzutage nichts mehr gewinnen könne. Diese Attitüde überträgt Luscher nahtlos auch auf das, was er »strategische Partnerschaften« nennt: Geschäftsbeziehungen zu Immobilieninvestoren, Bauunternehmen und Vertragsnehmern der Hotels.

»Wir meinen, was wir sagen«

»Fairness und Respekt« lautet die oberste Maxime, und zuhören ist eine Tugend. »B&B Hotels ist ein verlässlicher Partner. Wir meinen, was wir sagen«, betont Luscher. Der Wettbewerbsfaktor Integrität erweise sich nicht selten sogar als Vorteil, wenn es um das Akquirieren von Projekten und Partnern gehe.

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Max C. Luscher, B&B Hotels: Jedes Haus mit Bezug zur Region

Hinzu kommt B&Bs jahrzehntelange Erfahrung im Economy-Segment. So hat die Budget-Kette lange vor dem Internet das Ein- und Auschecken in einem Vorgang vereint, Check-in ist gleich Check-out, das spart Zeit und Personal. Und dieses System gewinnt dank Digitalisierung noch mehr an Effizienz – im Front-End wie im Back-End. Der Gast bucht, bezahlt und erhält einen Zahlencode, um in sein Zimmer einzuchecken – fertig!

Bei der Objektsuche hilft ein festes Raster an Kriterien, um im Kostenrahmen zu bleiben. So werden Neubauten mit rund hundert Zimmern bevorzugt. Re-Branding lohnt sich oft nicht, weil die Zimmergrößen in älteren Gebäuden zu unterschiedlich sind. Die Gästezimmer messen rund 15 Qua­drat­meter und werden mit genormten Einrichtungsmodulen bestückt. Wenn Gäste das Gefühl haben, jedes Haus unterscheide sich, dann liegt das an der lokal jeweils angepassten Farbkosmetik und den über den Betten hängenden Wandmotiven, die immer einen Bezug zur Region darstellen. So hat das B&B Hotel Frankfurt-West beispielsweise »Äbbelwoi« als Leitmotiv, im Haus Frankfurt City-Ost ist es dagegen wegen der Bankennähe das Thema »Geld«.

Lernfähigkeit ist das A und O

Auch bei der Standortfrage beweisen die B&B Hotels Flexibilität. »Wir sind genau da, wo der Gast hinmuss«, sagt Luscher. Das ist praktisch überall, wo sich genügend Übernachtungen generieren lassen. Im Gegensatz zu Frankreich rücken dabei deutsche B&B-Häuser immer öfter in »zentrumsnahe Lagen in relevanten Städten«. Denn viele Städte mit 100.000 Einwohnern sind nur Minuten von der Autobahn entfernt. Es besteht also nicht die Notwendigkeit, sich in preiswerteren Randlagen anzusiedeln.

Was Experten wie die Treugast Solutions Group so an der B&B Hotels GmbH schätzen, ist die Lernfähigkeit des Unternehmens. Ausgezeichnet wird erstens ein extrem standardisiertes Produkt, das ständig weiterentwickelt wird, sowie zweitens das System sehr selbstständiger Hotel­manager. Moritz Dietl, geschäftsführender Partner der Treugast Solutions Group: »Dieses Modell ist wirtschaftlich sehr erfolgreich und erreicht eine der höchsten operativen Margen im deutschen Hotelmarkt.«

Max Luscher kann also gut damit leben, dass die Markenbekanntheit seiner Hotels ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Bereits jetzt fliegen Investoren und Gäste auf B&B, weil »wir für eine breite Zielgruppe genau das richtige Produkt sind«.