Titelbild für Artikel Schweiger-Seele an der Ostsee
TEXT: Manuela Blisse

Schweiger-Seele an der Ostsee

Ein Schauspieler als Zugpferd für ein Hotel? Klar, Til Schweiger ist einer der bekanntesten Mimen des Landes, zudem Filmemacher und vierfacher Vater. Doch was heißt das für das erste, Anfang Juni eröffnete Barefoot Hotel in Timmendorfer Strand? Und wie viel Schweiger steckt drin?

06 Til Schweiger Designer Mirko Stemmler Betreiber Barefoot Hotel Eingang ©Barefoot Hotel Anatol Kotte

Gesellschafter Mirko Stemmler: In Zukunft auf eigenen Beinen

Der Medienrummel war riesig: Normalerweise lockt ein Hotelopening an der Ostsee nicht eine Pressemeute aus ganz Deutschland hinterm Schreibtisch hervor. Doch Schweiger nun mit einem »eigenen« Hotel? Das zieht. Wenn es auch nicht ganz korrekt ist. Der Name Barefoot zeigt eindeutige Verbindungen zum Schauspieler, hat der doch bereits die Interior- und Lifestylemarke Barefoot Living am Laufen. Malibu, die Hamptons und Mallorca als Inspirationsquelle für Shirts, Kaschmirpullis, Geschirr, Kleinmöbel, Leuchten, Teppiche, Decken und Kissen – eine Fundgrube für jeglichen Wohnraum.

Das Barefoot Hotel in Zahlen


Eröffnung: 2017

Hoteldirektorin: Regina Held

Geschäftsführender Gesellschafter: Mirko Stemmler

Standort: Schmilinskystraße 2, 23669 Timmendorfer Strand, www.barefoothotel.de
Nicht am, sondern 200 Meter entfernt vom Strand, am Kurpark.

Mitarbeiter: 20, geplante Aufstockung auf 32

Zimmer: 57 in vier Kategorien, 15 bis 75 Quadratmeter

Ausstattung: Minibar (in den Suiten und Premium-Zimmern), Safe, Fernseher, Boxspringbetten (1,60 bis 2 Meter Breite), fast alle Zimmer mit Balkon, teils Alkoven, WLAN in allen Zimmern sowie öffentlichen Bereichen.

Ausstattung des Hotels: Restaurant mit offener Küche, Loungebereich mit Kamin, Wintergarten, Boutique, Spa mit Sauna, Terrasse und Liegewiese, kostenfreie Parkplätze und kostenpflichtige Tiefgaragenplätze, Wochenend-Yogakurse, auch mit Lifecoaching oder Meditation, Limou­sinen­service, 24 Stunden geöffnete Rezeption

Zimmerpreise: 90 bis 245 Euro bei Belegung mit zwei Personen (inklusive Frühstück, in der Hochsaison mindestens drei Nächte), bei Nutzung als Einzelzimmer Zimmerpreisreduktion von 20 Euro, Aufbettung 10 bis 35 Euro

Auslastung: angestrebt 90 Prozent

Gäste: Privatreisende, vor allem aus Hamburg und Umgebung, Berlin und NRW

Pläne: Zimmerpreisanhebungen 2018, Kulturevents

Schweigers Faible für Design hat Mirko Stemmler auf den Plan gerufen. »In einem Interview in der ›Elle Decoration‹ habe ich gelesen, dass Til Schweiger gern auch einmal ein Hotel einrichten würde«, erzählt Stemmler, im Hauptjob Geschäftsführer der Hamburger Jasika Holding, im Zweitjob geschäftsführender Gesellschafter des Barefoot Hotels. Er habe ihm eine Zwei-Zeilen-E-Mail geschickt, zwei Wochen später saß der Schauspieler, der mit dem Bare­foot Deli in der Hansestadt bereits gastronomische Fußstapfen hinterlassen hat, in Stemmlers Büro.

Altes Haus, neuer Name, neues Konzept

Die Hardware und das Hotel-Know-how von der Holding, die Interior-Software unter der Maßgabe von Ho­tellerie­not­wendig­keiten von Schweiger: »Das Gebäude, eine Villa von 1900, ist eines der ältesten Bauwerke an der Lübecker Bucht. Es gehört zum Bestand der Holding, und wir haben es bereits 17 Jahre als Meridian-Hotel betrieben«, sagt der gelernte Hotelfachmann Stemmler. 2014 habe man überlegt, die Villa umzubauen. Schweigers Interview sei zur rechten Zeit gekommen. Nach 18-monatiger Planung wurde das Bare­foot Hotel Anfang Juni eröffnet.

06 Til Schweiger Barefoot Hotel Loungebereich Mit Offenem Kamin ©Barefoot Hotel Anatol Kotte

Tatendurstig: Hoteldesigner Til Schweiger

Das Erdgeschoss samt Lobby, Restaurant (100 Plätze), Shop und neu angebautem Wintergarten hat einen äußerst wohnlichen Charakter. Über verschiedene Ebenen wie beispielsweise die abgesenkte Sitzecke vor dem Kamin – dort befand sich früher das Schwimmbad – gibt es verschiedene Blickperspektiven. Selbst auf den einzelnen Zimmeretagen gilt es, Stufen zu überwinden. Das ist der alten Villa geschuldet, die sich im Zuge mehrerer Erweiterungen in ein charmant verwinkeltes Gebäude verwandelt hat. Mit der Bestandsimmobilie verbunden ist auch der Standort. Das Bare­foot liegt nicht in erster Strandreihe, sondern rund 200 Meter entfernt vom Ostseestrand und der Kurbrücke. Dafür befindet es sich direkt am Kurpark.

Die 57 rund 15 bis 75 Quadratmeter großen Zimmer auf vier Etagen, Belegung als Doppelzimmer wie Einzelzimmer, teilen sich in die vier Kategorien Pure, Classic, Suite und Premium auf. Das Gros der Zimmer und Suiten hat Balkone mit respektablen Größen von acht bis zehn Quadratmetern. Die Breite der Boxspringbetten reicht von 1,60 Meter über 1,80 Meter bis zu zwei Metern in den teils auch noch mit Sauna und De-luxe-Wanne mit Whirlpoolfunktion ausgestatteten Premium-Zimmern. Der 500 Quadratmeter umfassende Spa- und Fitnessbereich befindet sich in einem neuen Anbau und ist Anfang August als in Eigenregie betriebener Nachzügler eröffnet worden.

Manufaktur-Interieur

Der lässig-edle Landhausstil und -chic, für den sich Schweiger vom »unkomplizierten Lebensgefühl Malibus und der amerikanischen Ostküste« hat inspirieren lassen, zeigt sich mit weißen Veranden, bodentiefen Sprossenfenstern im Erdgeschoss, warmen Naturtönen im ganzen Haus, viel Holz bei Möbeln und auch allen Fenstern sowie organischen Oberflächenhaptiken. Technisch, so der Hotelgesellschafter, sei man »High End«.

Das Konzept würde überall funktionieren.

»Bis hin zur Form der Tassen sowie Material und Farbe der Kopfkissen hat sich Schweiger gekümmert«, sagt Stemmler, der dem Schauspieler unter der Maßgabe hotelrelevanter Notwendigkeiten freie Hand gelassen hat. Die Möbel und Wohnaccessoires stammen nicht von der Stange, sondern wurden nach eigenen Designs von ausgewählten Manufakturen angefertigt: Stühle, auch die Eichenschaukelstühle auf den Balkonen, sowie Betten von Very Wood in der Nähe von Venedig, TV-Möbel von einem Lübecker Familienbetrieb, Lampen wurden auf Mallorca produziert. Auch Privates ist eingeflossen. Viele der hübsch gerahmten Fotos stammen aus Schweigers persönlichem Fotofundus. Praktischerweise gibt es das ein oder andere (Wohn-)Accessoire im hoteleigenen Barefoot-Living-Shop. Die Arbeiten im Haus haben selbstverständlich Handwerker aus der Region erledigt.

Über die Investitionssumme lässt sich Stemmler nur so weit aus: Es handle sich um einen »achtstelligen Betrag«. Die Leitung des Hauses obliegt Direktorin Regina Held. Das alte Team aus dem Meridian wurde übernommen. Jobbewerbungen, Kooperationen, all das sei massiv von außen an sie herangetragen worden. »Es gibt bereits eine Kooperation mit BMW – vom bayerischen Automobilhersteller stammen die Wagen für den Gäste-Limousinenservice – und mit dem teNeues-Verlag ist ein Coffee-Table-Book-Projekt in Planung«, zeigt sich Stemmler erstaunt über die Anziehungskraft und betont gleichzeitig, man sei offen für weitere Kooperationen.

Dass viel vom designenden Schauspieler im Hotel steckt, zeigt sich in allen Details. Doch im laufenden Betrieb, so der Gesellschafter, sei die Holding tonangebend. »Natürlich ist der Name Til Schweiger für den Anfang ideal«, gibt er zu. »Wir arbeiten aber daran, dass die Marke Barefoot Hotel für sich allein stehen wird.« Das Zugpferd Til Schweiger widmet sich nun wieder seinen Film- und anderen Projekten. An eine Expansion der neuen Hotelmarke wird noch nicht gedacht. Erst müsse Projekt Nummer eins zum Laufen gebracht werden.

  • 06 Barefoot Hotel Eingangsbereich ©Barefoot Hotel Nikolaj Georgiew

    Private Einblicke: Fotos aus dem Schweiger-Fundus

  • 06 Barefoot Hotel Fassade Pulverisierter Zement Holzoptik ©Barefoot Hotel Nikolaj Georgiew

    Alte Fassade, neuer Kern: Barfuß in einer der ältesten Villen an der Lübecker Bucht

  • 06 Barefoot Hotel Restaurantbereich 1 Tisch Aus Film Honig Im Kopf ©Barefoot Hotel Nikolaj Georgiew

    Schweigers Handschrift: Detailverliebt von den Möbeln bis zur Deko

Ambitioniertes Pricing

Auf Wachstum ist man in den eigenen vier Wänden ausgelegt. Bislang buchen vorrangig Gäste aus Deutschland, aus dem Raum Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Die erste Hochzeit mit 120 Gästen hat in den ersten Wochen auch schon stattgefunden. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf jung denkenden, an Lifestylehotels Spaß habenden Leisure-Gästen. »Eine Auslastung von durchschnittlich neunzig Prozent ist realistisch«, benennt der Gesellschafter eine Traumquote. Dafür müsse dann auch das zwanzigköpfige Team auf bis zu 32 Mitarbeiter aufgestockt werden.

Die Zimmerpreise von rund 90 bis 245 Euro gelten für die Opening-Phase und sollen schon im nächsten Jahr um beinahe zwanzig Prozent angehoben werden. Geplant sind auch Packages, etwa zusammen mit Angeboten der Barefoot-Boutique, Shoppingnächten und Lesungen. »Es gibt auch eine Anfrage des ›Schleswig-Holstein Musik Festivals‹«, sagt Stemmler, der regionale Verbindungen schätzt. Schon von der eigenen Vita her. »Ich habe meine Ausbildung in Timmendorfer Strand gemacht, im nahe gelegenen Hotel Gorch Fock«, verrät er.

So viel ist sicher: »Das Konzept würde überall funktionieren, denn es steht für einen mondänen Ort«, sagt Stemmler. Für den Küstenort, ist er sich sicher, bedeutet das neue Lifestyle­hotel auch einen Aufschwung. Zwar ist Timmendorfer Strand bekannt, jedoch damit verbunden ist auch ein inzwischen etwas verschlafener Ruf. So sieht er das Haus auch nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Herbergen, sondern als Ergänzung und Türöffner für eine neue Generation von Hotelkonzepten.