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TEXT Anke Pedersen

Proudly made in China!

Gefühlt gibt es kaum eine Branche, in der China den Westen nicht schon ein- oder gar überholt hat. In Zukunft wird sich auch das Gastgewerbe warm anziehen müssen: Denn die NUO Hotels, der erste nationale Fünf-Sterne-Brand im Reich der Mitte, wird der westlichen Luxushotellerie nicht nur im eigenen Land Konkurrenz machen.

Das NUO Hotel Beijing in Zahlen

Eröffnung: Juni 2015
Kategorie: Fünf-Sterne- Lifestyle-Hotel
Eigentümer: Beijing Tourism Group 
General Manager: Adrian Rudin
Standort: Das NUO Hotel Beijing liegt in direkter Nachbarschaft der Art Zone 798, dem Herzen der dynamischen Kunstbewegung Chinas im Osten der Stadt, des Third Embassy Districts und des Wang Jing Hi-Tech Business Parks. Der internationale Flughafen Peking ist in zwanzig Autominuten zu erreichen. 
Ausstattung: 438 luxuriöse Zimmer und Suiten, ein traditionelles Teehaus, sechs Restaurants und Bars inklusive Executive Club Lounge, NUO-Spa und Zentrum für traditionelle chinesische Medizin sowie NUO-Fitness mit Lifestyle-Turnhalle und beheiztem Hallenbad. Zu den Tagungs- und Banketträumen gehören 14 Multifunktionsräume und der 1600 Quadratmeter große, säulenfreie Yongle-Grand-Ballsaal. Eine Gartenterrasse (mit Feuerstelle) im fünften Stock erstreckt sich über 2200 Quadratmeter. 
USP: NUO Signature Series: NUO-Tee, NUO-Musik, NUO-Blume, NUO-Hochzeit, NUO-Pu’er-Badaccessoires, NUO Green Farm. Bekenntnis zur »Low-Carbon Green Intelligence« unter Einhaltung der Gold-Level-Zertifizierungsstandards im LEED (Leadership in Energy & Environmental Design Building Rating System).
Architektur, Kunst und Design: Hirsch Bedner Associates (Singapur); Chefdesigner Ian Carr Partners: Zeng Fanzhi (Kunst), Gao Yijing (Hochzeiten/Events), Ba Yan Ka La (NUO-Bett- und -Badaccessoires), Christophe Laudamiel (Duft).

Wenn Michael Henssler über China sprechen soll, seine Erfahrungen mit dem dortigen Hotelmarkt und die Entwicklungen in diesem Land, dann lehnt er sich genussvoll zurück – und erzählt erst mal von Europa. »Wussten Sie«, fragt der COO Kempinski Asien dann, »dass das Siegel Made in Germany ursprünglich von den Briten eingeführt wurde? Ende des 19. Jahrhunderts? Weil man damit vor minderwertiger Ware aus dem Deutschen Kaiserreich warnen wollte?«

Eine Antwort erwartet der Hotelier nicht wirklich; seine Frage ist rein rhetorischer Natur. Hensslers eigentliches Ziel besteht darin, sein Gegenüber wachzurütteln und darauf hinzuweisen, dass auch das China des Jahres 2018 dem hierzulande gängigen Bild eines lediglich Billigkopien produzierenden Landes entwachsen ist. Dass sich in der Volksrepublik ein handfester Paradigmenwandel vollzogen hat: weg von Quantität hin zu Qualität. 

06 01 Checkin 05 2018 De

Symbolisch: Zeichen für Gastfreundschaft, Wohlstand und eine glänzende Zukunft

»Pionierarbeit für die Zukunft der chinesischen Luxushotellerie«

Ein Ergebnis dieses Wandels ist Chinas erste heimische Luxushotelmarke NUO. NUO ist ein Kind der Management-Company Key International, einem Joint Venture von Beijing Tourism Group und Kempinski, auf dessen Expertise es aufbaut. Key-Geschäftsführer ist – Michael Henssler. Fünf Jahre lang hatten er und sein Team sich für die Entwicklung der neuen Marke Zeit gelassen und zusammen mit Vertretern renommierter Universitäten erforscht, was die chinesische Seele bewegt. Das Ergebnis ist ein Fünf-Sterne-Produkt, das sich der 5000-jährigen Geschichte und dem kulturellen Erbe des Landes verpflichtet fühlt. 

Das Timing hätte perfekter kaum sein können. Mit Verabschiedung seines zwölften Fünfjahresplans (2011–2015) im Jahr 2011 hatte der Nationale Volkskongress in Peking die Weichen für den historischen Umbau seiner Wirtschaft gestellt: Statt durch Exporte, wie in den drei Jahrzehnten zuvor, sollte künftig der heimische Verbrauch das Wachstum im Reich der Mitte antreiben. Ergo kon­zen­trier­te man sich fortan – und in dem für China üblichen Tempo – auf die Entwicklung von Qualitätsprodukten und Marken made in China. Und so entsprach es ganz dem neuen Selbstvertrauen im Land, dass sich das NUO Hotel Beijing bei seiner Eröffnung im Sommer 2015 – kurz vor Ablauf des zwölften Fünfjahresplans – nicht nur als »proudly made in China« präsentierte, sondern ganz unbescheiden als »Pionierarbeit für die Zukunft der chinesischen Luxushotellerie«.

06 02 Checkin 05 2018 De

Es werde Licht: Wohlfühlatmosphäre nach Feng-Shui

Das goldene Versprechen

Dieser Stolz umfasst vor allem die bis ins letzte Detail durchdachte Geschichte des NUO, die gleichsam die alte und die neue Größe dieser jahrtausendealten Nation spiegelt und ihre in die Zukunft weisende Selbstgewissheit als führender Player im 21. Jahrhundert: begonnen bei den fünf gigantischen Mondtoren – einem altchinesischen Landschaftsgestaltungselement –, die in den dauergebuchten Tagungsbereich führen, bis hin zur Vielzahl zeitgenössischer Gemälde, Grafiken und Kalligrafien im gesamten Haus. »Wir sind ein chinesisches Produkt für den chinesischen Markt«, erklärt Michael Henssler sein Narrativ, »und ein internationales für diejenigen, die China erleben wollen.« 

Und so steht der Name NUO für nichts weniger als »das goldene Versprechen«, symbolisiert von einer chinesischen Vase, dem Zeichen für Gastfreundschaft, Wohlstand und Engagement für eine glänzende Zukunft. Wie ernst es den Machern damit ist, erleben Besucher im NUO Beijing schon beim Betreten der messehallengroßen, lichtdurchfluteten Lobby, wo sie von gleich zehn Zwei-Meter-Vasen feierlich begrüßt werden. Noch imposanter wirken die weiß-blauen Kunstwerke aus chinesischem Porzellan durch ihre Positionierung auf marmornen Sockeln sowie durch die Meisterwerke, die sie flankieren; die steinerne Drei-Tonnen-Skulptur »Le Shan« etwa, eine Hommage an einen Intellektuellen aus dem goldenen Zeitalter der Ming-Dynastie. 

Langfristig wird NUO international

Auch die Farben in dem 438-Zimmer-Haus huldigen der Ming-Dynastie. Werden Wohlstand und Glück im modernen China gemeinhin mit Rot assoziiert, dominieren Blau- und Grautöne das NUO Beijing. Blau sei ohnehin »more sophisticated«, erklärt James Koo mit feierlichem Gesicht. Als Marketingdirektor im NUO Beijing kennt er die Ansprüche seiner überwiegend chinesischen Klientel nur zu genau. Und so war von Anfang an gesetzt, dass sich die Marke nicht nur in puncto Service, sondern auch in Bezug auf Einrichtung und Technik auf internationalem Toplevel bewegen müsse.

  • 06 03 Checkin 05 2018 De

    Tee by NUO: Dem kulturellen Erbe des Landes verpflichtet

  • 06 04 Checkin 05 2018 De

    Tee by NUO: Dem kulturellen Erbe des Landes verpflichtet

Luxuriös, chinesisch, zeitgenössisch und nachhaltig bis ins Detail

Entsprechend ist »luxuriös« neben »chinesisch«, »zeitgenössisch« und »grün« eine der vier Säulen, auf denen sie aufbaut. Und so ist zum Beispiel das aus warmen Hölzern und Ledern bestehende Mobiliar ebenso erlesen wie etwa die seidengemusterten Wände und die Holz- und Strukturmarmorböden; sind die Luftreinigungssysteme ebenso hochwertig wie die Schalldämmung, und die Vollmarmorbäder mit Regenduschen ebenso exquisit wie die frei stehenden Badewannen. Hinzu kommen – selbstverständlich – kostenloser Breitband- und Internetzugang, hochauflösende Flachbildfernseher, bluetoothfähige Bose-Stereolautsprecher und Nespresso-Maschinen. 

Darüber hinaus sind es jedoch vor allem die vielen bis zu Ende gedachten Details, die das eigentlich Besondere sind am NUO. Um das Tageslicht hereinzulassen, sind sämtliche Räume selbstverständlich mit bodentiefen Fenstern ausgestattet. »Natürliches Licht gibt den Menschen Energie«, erklärt James die zugrunde liegenden Prinzipien der Harmonielehre Feng-Shui. Dazu gehört auch, dass nicht nur die Flure extrem großzügig und geräumig angelegt sind, sondern auch die Standardzimmer, begehbare Kleiderschränke inklusive. 

06 05 Checkin 05 2018 De

Intensive Studien: Was bewegt die chinesische Seele?

Eines von vielen weiteren Details ist die Verbeugung des NUO vor Chinas Nationalgetränk Tee. Entsprechend der Markensäule »grün« bewirtschaftet die Key-Gruppe eine eigene Teeplantage. Aus den dort angebauten Teesorten stellt Chinas erste Luxus-Hautpflegemarke Ba Yan Ka La exklusive Tee-Bett- und -Badaccessoires für das NUO her; darüber hinaus wird die Teekultur in den Räumlichkeiten des Teehauses »Yuan« und seines angrenzenden Gartens zelebriert – von einem zertifizierten Teemeister, versteht sich. 

Ab sofort können NUO-Gäste ihren Tee übrigens auch am Platz des Himmlischen Friedens genießen, im zweiten Haus der Gruppe. Bereits 2017 hatte Key-Geschäftsführer Henssler das vormalige Raffles mit 164 Zimmern übernehmen können. Nachdem es nach und nach auf die vier NUO-Säulen gestellt wurde, ist es jetzt auch offiziell buchbar. Und wie geht es weiter? »Mit NUO haben wir eine Wachstumsplattform für unser Joint Venture geschaffen«, erklärt Henssler das strategische Ziel. Soll heißen: Weitere Häuser in Metropolen wie Shanghai, Guangzhou, Shenzhen und Hangzhou sind bereits in Planung; langfristig soll NUO dann auch international ausgerollt werden. Zuvor wollen der Hotelprofi und sein Team der Welt jedoch vor Ort beweisen, dass made in China ab sofort genauso für Qualität steht wie made in Germany.