Titelbild für Artikel Michael & Ruby
TEXT: Stefanie Bisping FOTOS: Thorsten Jochim

Michael & Ruby

Fünf-Sterne-Luxus in Toplagen bietet Ruby-Gründer Michael Struck zu schmalen Preisen. Sein Rezept: Umbau von Bestandsimmobilien, Vereinfachung interner Prozesse und Konzentration auf das, was dem Gast wichtig ist.

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Ruby-Gründer Michael Struck

Eichenparkett und holzgetäfelte Wände sind von gediegener Eleganz. Lampen und Accessoires setzen optische Akzente, Flachbildfernseher und Tablet­ versprechen Zugang zur Welt. Das edle, gleichwohl kleine Zimmer erinnert an die komfortable Kapitänskajüte einer Luxusjacht.

Kein Zufall: »Ich liebe das Segeln und bin gern auf dem Wasser«, erklärt Michael Struck, Gründer und CEO der Ruby Hotels. Von diesem Hobby rühre seine Erkenntnis her, dass Raum nur in Luxusjachten optimal genutzt wird. Die Zimmer in seinen Hotels hat er deshalb nach dem Prinzip schöner Schiffe ausgestattet: hochwertig, ästhetisch anspruchsvoll – und kompakt (15 bis maximal 28 Quadratmeter).

Das erste davon, das Designhotel Ruby Sofie in Wien, hat der in Boston geborene Struck 2014 eröffnet; heute sind es dort drei Rubys. »Der Name kam buchstäblich im Schlaf zu mir«, erklärt Struck. »Ruby steht für eine schöne, sinnliche, kluge und fröhliche Frau, die weiß, was sie will, und polarisiert. Außerdem mögen wir eine gewisse Ambivalenz. Für viele Menschen klingt Ruby sexy und etwas verwegen – damit kokettieren wir gern.«

Brandneu ist das Münchner Haus; Hamburg und Düsseldorf sollen in Kürze folgen. Allen gemeinsam ist die Lage im Herzen des Geschehens, ein Leitmotiv, das mit der Vergangenheit des Baus spielt, und Fünf-Sterne-Komfort für ­relativ wenig Geld: Im Schnitt kostet ein Wiener Ruby-­Zimmer 100 Euro, in München 120 bis 130 Euro.

Ein Mann, acht Hotels


Michael Struck wurde 1973 als Kind deutscher Eltern in den USA geboren. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre und Business-­Administration in St. Gallen, London und an der University of California at Berkeley war er als Unternehmer und Geschäfts­führer für Immobilienentwickler und Hotelgruppen tätig. 2014 eröffnete er Ruby Sofie, es folgten Ruby Marie und im März dieses Jahres mit Ruby Lissi das dritte Haus in Wien. Kurz zuvor hatte Ruby Lilly in München Premiere. In diesem Jahr eröffnen Ruby Lotti an der Stadthausbrücke in Hamburg und Ruby Coco an der Düsseldorfer Königsallee, 2018 mit Ruby Leni ein weiteres Haus in Düsseldorf sowie eines, über das noch Stillschweigen vereinbart ist. Struck wird dann Herr über mehr als 1200 Zimmer sein.

Prioritäten: schlafen, duschen, surfen

Wie das geht? Durch Platzersparnis und gezielte Schnitte. Konsequent hat Struck weggelassen, was der Städte­reisende nicht braucht. Zum Beispiel das Restaurant: »Da hat der Gast fußläufig eine große Auswahl«, befindet Struck; und auch Roomservice hält er für entbehrlich: »Kaum ein Gast nutzt ihn im Stadthotel, dafür ist er sehr personal- und kostenintensiv.« Hungern muss freilich kein Ruby-Gast, denn in der rund um die Uhr geöffneten Bar gibt es außer Frühstück auch Snacks.

Zugleich hat Struck identifiziert, was dem Gast wichtig ist: »Unverzichtbar sind guter Schlaf, ein perfektes Dusch­erlebnis und hervorragende multimediale Ausstattung«, sagt der 44-Jährige. Hier darf der Gast in Luxus schwelgen: extralange Taschenfederkernmatratzen, feinste Bettwäsche, verschiedene Kissenstärken und eine Schallisolierung, die City und Nachbarn aussperrt, sind nur einige der Details, die Erholung garantieren sollen.

Regenwaldduschen, flauschige Frotteehandtücher, Duschgel mit Duftnoten für Männer und Frauen sowie optimale Waschtischbeleuchtung prägen das Baderlebnis. Tablet, Laptop-Safe und schnelles WLAN für bis zu sieben Geräte sind selbstverständlich.

Gastgeber und Unternehmer

Eine Minibar gibt’s dagegen nicht. »Sie ist ein Platzfresser, den nur sehr wenige Gäste nutzen«, sagt Struck. Ersetzt hat er sie durch eine Maxibar auf jeder Etage: die ­»Galley«, in der der Gast gratis Tee bekommt, Snacks, Softdrinks oder auch eine Zahnbürste aus dem Verkaufsautomaten ziehen und am Bügelbrett Hemd oder Bluse in Form bringen kann. Struck: »Durch die Zentralisierung können wir in der Galley mehr zu günstigeren Preisen bieten.«

Insgesamt sind die Ruby Hotels für Struck die Quintessenz seiner Karriere. In ihnen sind seine Erfahrungen aus Immobilienbranche, Hotelbetrieb und Hotelentwicklung zusammengeflossen. Der in Boston geborene Diplom-­Kaufmann war am Aufbau von Kameha und Gold Inn sowie an der Entwicklung der Arabella und Arabella Starwood Hotels beteiligt. Aufgrund seiner beruflichen Wurzeln sieht er Hotels ebenso mit den Augen des Gastgebers wie mit denen des Unternehmers. Bedürfnisse und Ansprüche des postmodernen Reisenden genau kennen, zugleich einsparen, was verzichtbar ist – so definiert Struck sein Konzept von erschwinglichem Luxus.

»Viele Kosten- und damit Preisvorteile sieht der Gast gar nicht«, erläutert Struck. »Wir zentralisieren und automatisieren so viel wie möglich von dem, was hinter den Kulissen geschieht.« Einkauf, Verwaltung, Buchhaltung und Marketing sind zentralisiert, Reservierung und Vermarktung automatisiert. »So können wir unsere Personalkosten fast halbieren, ohne dass der Gast etwas vermisst«, so Struck.

Nebeneffekt: Die Ruby Hotels sind in hohem Maß digitalisiert. Zahlungsmittelverifikation, Zahlung und Rechnungsstellung erfolgen online. Der Check-in ist ähnlich effizient. Bei seiner Ankunft zieht der Gast in weniger als einer Minute seine Schließkarte am Automaten. Der Check-in-Kiosk ist zwar bemannt, falls ein Gast lieber bei einem Menschen eincheckt; mit dem Aufwand einer klassischen Rezeption ist er aber nicht vergleichbar.

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Mit Augenzwinkern: Leitmotiv »Schickeria« im Münchner Ruby Hotel

Jedes Haus hat ein eigenes Gesicht

»Wir arbeiten so kosten- und personaleffizient, wie es im 21. Jahrhundert möglich ist«, erklärt Struck, der Unternehmer. Und Struck, der Hotelier, ergänzt: »Mindestens die Hälfte des Erfolgs liegt an den Mitarbeitern.« Service auf Augenhöhe, mit der Diskretion, Verbindlichkeit und Herzlichkeit, die der Gast eines Fünf-Sterne-Hotels erwartet, das müssen seine Leute bringen. Nur gelernte Hoteliers müssen nicht alle sein: »Durch die vereinfachten Prozesse haben wir einen breiten Pool potenzieller Mitarbeiter.« Wer Gastgeber aus Leidenschaft ist, passt ins Team. Intensive Schulungen erledigen den Rest.

Ein unsichtbarer Sparfaktor ist der Umbau von Bestands­immobilien mit den eigenen Architekten. Flächeneffiziente Umgestaltung ist aufwendig, aber günstiger als Neubauten in Toplagen. Im Münchner Haus gibt es zwanzig unterschiedliche Zimmergeometrien, die sich dank flexibler Module auf konstant hohem Niveau ausstatten lassen. »Mir macht das einfach Spaß, und für die Gäste zahlt es sich aus.«

Die modularen Architekturelemente ergänzen Vintage-­Stücke, die Struck in ganz Europa zusammensucht. »Denn jedes Haus hat seinen eigenen Charakter und seine Seele.« Das erste Ruby Hotel »Sofie« im historischen Gebäude der Wiener Sofiensäle war einst Schauplatz von Strauss-­Walzer-­Premieren und Auftritten von Superstar Falco. »Bei Interieur und Dekoration haben wir viel mit der Musik- und Konzertgeschichte gespielt.«

Leihbare E-Gitarren

Im Münchner Bau aus den Achtzigerjahren residierte zuvor eine Versicherung – als Motto wenig geeignet. »Ich habe überlegt, was ich damals mit München verband.« Schnell kam er auf Helmut Dietl. Das Leitmotiv »Schickeria« spielt mit den Assoziationen: Da laufen alte Monaco-Franze-­Folgen auf einem Röhrenbildschirm in der Bar, an der Decke hängt ein Lüster aus Champagnerflaschen.

Auch viel Persönliches floss ins Konzept; neben Strucks Faible fürs Maritime auch das für Musik. »Ich wollte mal Musiker werden«, sagt er und lacht. Die Liebe ist geblieben. In jedem Ruby Hotel kann der Gast eine E-Gitarre ausleihen.

Das Konzept der Ruby-Häuser spricht nicht nur Millennials an. »Unser Publikum aus erlebnis- und lifestyleorientierten Reisenden kommt aus allen Altersgruppen«, sagt Struck. »Neulich stand ich im Aufzug neben einem Mittsiebziger aus England. Er war begeistert, dass er eine Gitarre leihen konnte, und sagte, so etwas habe er noch nie erlebt.«

Begeisterung ist auch Michael Strucks Antrieb. Entsprechend rasant entwickelt sich Ruby. 2017 eröffnet er insgesamt vier Hotels, weitere sind in Planung.