Titelbild für Artikel Klare Kante.
TEXT: Silke Becker · FOTOS: Hanna Lenz

Klare Kante.

Porträt: Jens U. Sroka.

Seine Beach Motels wollen anders sein. Jung, lässig, auf Du und Du mit dem Gast. Jens U. Sroka lässt die beschauliche Hotellerie an Nord- und Ostsee alt aussehen und ist selbst bei fiesem November-Schmuddelwetter praktisch ausgebucht. Dabei wirkt er so entspannt, als wäre er Gast in seinen eigenen Häusern.

Athletische Figur, federnder Schritt, leichte Sonnenbräune und ein warmes Lächeln: »Hallo, ich bin der Jens«, so begrüßt Jens U. Sroka jeden. Das Du gehört bei ihm zum Konzept. »Die Gäste finden es zu 98 Prozent super.« Genauso super, wie das von amerikanischen Strandhäusern inspirierte Vintage-Design in soften Blau-Grau-Tönen und die regelmäßigen Events: angesagte Singer-Songwriter, witzige Stand-up-Comedians, Yogaworkshops und auch mal Plätzchenbacken.

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Jens U. Sroka

1975 geboren in Hamburg

1995 Abitur, Praktikum im Bahama House, Daytona Beach, Florida

1996 Ausbildung zum Hotelfachmann, Atlantic Kempinski Hamburg

1998 Sales Manager Fashion/Entertainment/Coffee/Tobacco/
Entertainment, Atlantic Kempinski Hamburg

2000 Marriot Riverside Resort & Spa, Bangkok, zuletzt Regional Director Sales & Marketing

2001 Director Sales & Marketing, Anantara Resort & Spa, Bangkok

2002 Kauf des elterlichen Ambassador, Sankt Peter-Ording

2007 Eröffnung »StrandGut«-Resort, Sankt Peter-Ording

2013 Eröffnung Beach Motel, Sankt Peter-Ording

2016 Eröffnung Bretterbude, Heiligenhafen

2016 Eröffnung Beach Motel, Heiligenhafen

2019 geplante Eröffnung Lighthouse Hotel, Büsum

»Zuerst stand der Name ›Beach Motel‹, daraus haben Architekt Thomas Ladehoff und ich dann das Konzept entwickelt«, erzählt Jens. Das Thema Surfen zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Haus, obwohl Sroka selbst lieber golfen geht, zum Tennis oder ins Fitnessstudio. Kein angesagter Interieurdesigner, sondern Sroka persönlich hat jedes kleinste Detail ausgesucht, inspiriert durch Fotos, Zeitschriften, Bücher und vor allem durch seine Reisen nach Florida. »Man ist nur gut, wenn man sich wirklich mit dem Produkt identifiziert.«

Auf Sterne und Co. legt Sroka wenig Wert. Er glaubt an Häuser mit einem klaren Profil, verkauft ein junges, lässiges Lebensgefühl. »Man sollte nicht versuchen, jeden anzusprechen, sondern klare Kante zeigen.« Dazu gehört auch die Kooperation mit bei der Zielgruppe angesagten Lifestyle-­Marken wie Mini, Bacardi, Jever, Fritz-Kola oder Fatboy. Deren Hersteller dürfen die abgefahrenen Themensuiten gestalten, in denen auch schon mal ein echter Mini durchgesägt und zur Bar umfunktioniert wird oder in »unserer beliebtesten Suite« aus einer zimmereigenen Zapfanlage Jever unlimited fließt.

So viel Werbefläche gibt’s bei dem erfahrenen Marketingprofi Sroka natürlich nicht umsonst: Im Gegenzug werden die Beach Motels von seinen Kooperationspartnern aktiv gepusht, sogar von den großen internationalen Marken. Wie er das geschafft hat? »Klinken putzen.«

Betreuer von Tina Turner, Cher und den Rolling Stones

Wenn es ums Verkaufen geht, kennt der 41-Jährige jeden Kniff. Schon wenige Monate nach seiner Ausbildung im Hamburger Atlantic Kempinski betreute er dort im Sales und Marketing gefeierte Weltstars wie Tina Turner, Cher oder die Stones. Der perfekte Job für jemanden, der ursprünglich mal Schauspieler werden wollte.

»Um als Schauspieler wirklich Erfolg zu haben, braucht man entweder extrem viel Talent oder extrem gute Beziehungen, und beides hatte ich so nicht.« Es musste also eine neue Perspektive her. Der Vater, damals Inhaber des Hotels Ambassador im 4000-Seelen-Nordseebad Sankt Peter-Ording, hatte zwar keinen direkten Draht nach Hollywood, aber immerhin nach Daytona Beach, Florida. Ein Jahr lang machte Jens Sroka dort nach dem Abitur im Bahama House ein Praktikum, Touristenklasse statt roter Teppich. »Anfangs war es schwierig, doch dann habe ich Freunde gefunden und die Hotellerie lieben gelernt.«

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Weitblick: »Man ist nur gut, wenn man sich wirklich mit dem Produkt identifiziert.«

Bis dahin hatte eine Hotellaufbahn für Sroka nie wirklich zur Debatte gestanden, obwohl nicht nur der Vater, sondern auch die Mutter voll im Ambassador engagiert war. Nesthäkchen Jens, das jüngste von vier Kindern, wuchs zuerst bei Kindermädchen, später in Internaten auf. »Eine tolle Zeit, obwohl ich ein fauler Schüler war.« Das elterliche Hotel war für ihn nicht mehr als ein aufregender Abenteuerspielplatz, wo man Schokolade stibitzen und im Pool schwimmen konnte. »Meine Eltern hatten keinerlei Erwartungen, dass wir Kinder das Haus später übernehmen sollten.«

Irgendwann, nach zwei Jahren Star-Rummel im Atlantic, hatte der inzwischen 23-Jährige genug. »Ich wollte ins Ausland.« Bruder Joern Uwe, damals in einem Hotel in Hongkong tätig, vermittelte ihn ins Marriot Riverside Resort & Spa nach Bangkok. Mini­gehalt, Sechs-Tage-Wochen, ­15-Stunden-Tage. »Ich musste praktisch von vorn anfangen.« Innerhalb eines Jahres arbeitete er sich vom Praktikanten zum Regional Director Sales & Marketing hoch, baute anschließend als Director Sales & Marketing das damals neue Anantara Resort & Spa mit auf.

Der nächste Schritt: Ein Vertrag mit dem The Mark Mandarin Oriental in New York, wo auch sein damaliger Partner lebte. Doch dann kam alles ganz anders. Der Vater wollte in Rente gehen, lud zum Männerwochenende nach Sylt und bot seinen beiden Söhnen Jens und Joern Uwe das elterliche Hotel an. Die überlegten nicht lang: »Ich hatte damals Siebzig-Stunden-Wochen und wollte diese Zeit lieber in mich selbst investieren.« Also verabschiedete sich Jens U. Sroka, das U. steht übrigens für Ulfert, nicht nur von seinem gut dotierten, prestigeträchtigen Vertrag im Big ­Apple, sondern auch von seinem Partner. »Der Beruf war mir damals einfach wichtiger.«

Im Jahr 2002 kauften die Brüder das elterliche Ambassador, das übrigens noch bis 2013 in Familienbesitz blieb, für damals 5,6 Millionen Euro. »Wir wollten eine saubere Übergabe, auch wegen unserer beiden Schwestern.« Sroka war es gewohnt, international zu arbeiten, auf Verkaufsreisen regelmäßig durch ganz Asien zu jetten. Die Rückkehr in die deutsche Provinz war schwierig, noch dazu in einem grauen, regnerischen Januar. »Deutschland war auf einmal sehr klein.« Kein Wunder, dass tolle Reisen bis heute sein absolutes Lieblingshobby sind.

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Florida an der Nordsee: Selfmade bis ins Detail

Von 56 auf mehr als 80 Prozent Belegung in nur zwei Jahren

Doch beruflich war die Entscheidung goldrichtig: Die neuen Chefs modernisierten die Zimmer, investierten in einen Wellnessbereich, »damals etwas Neues und voll angesagt«. Dabei merkten die Brüder schnell, wie gut sie sich ergänzten, Zahlenmensch ­Joern Uwe im Backoffice, Verkaufstalent Jens am Gast. Innerhalb von zwei Jahren steigerten sie die Belegung des gut eingeführten 89-Zimmer-Hauses nach eigenen Angaben von 56 auf mehr als 80 Prozent.

Wenig später dann das nächste Projekt des erfolgreichen Duos: Im Juli 2007 eröffneten sie nach nur zweijähriger Vorbereitung das neun Millionen Euro teure »StrandGut«-Resort mit 99 stylishen Zimmern, das erste junge, aber trotzdem bezahlbare Designhotel in Sankt Peter-Ording. »Das Konzept war sehr erfolgreich, denn es passte genau in den damaligen Geiz-ist-geil-Zeitgeist: Ein luxuriöses Produkt zum kleinen Preis statt rumzuprotzen mit viel Geld.«

Eigentlich hätte Jens Sroka zufrieden sein können, doch er wollte mehr. Inzwischen hatte sich das einst so verschlafene Nordseeheilbad Sankt Peter-Ording zur angesagten Urlaubsdestination entwickelt. »Das ›StrandGut‹ war zu schick, für jüngere Zielgruppen zwischen 25 und 35 gab es einfach keine passenden Angebote.« Als dann über Bauunternehmer Sönke Kähler 2009 ein passendes Baugrundstück zur Verfügung stand, beschloss Sroka, diese Marktlücke zu schließen.

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Zu schlecht als Schauspieler? Dann eben Hotelgründer

»In der Hotellerie an Nord- und Ostsee macht mir keiner was vor«

Die Idee mit dem Beach Motel entstand, aber sein sechs Jahre älterer Bruder Joern Uwe, inzwischen Vater von drei Kindern, wollte nicht. »Das war eine schwierige Zeit, zwischen uns funktionierte es nicht mehr so gut.« Doch die Idee ließ ihn nicht los. »Ich war sicher, dass es klappt.« Woher er das wusste? »In der Hotellerie an Nord- und Ostsee macht mir keiner was vor«, sagte er, und bei ihm klingt das kein bisschen arrogant.

Am Ende stieg Jens Sroka aus dem »StrandGut« aus und zog sein Ding durch. »Ich wollte auch aus dem Schatten meines älteren Bruders heraustreten.« Inzwischen sind die familiären Wogen aber wieder geglättet: »Blut ist eben dicker als Wasser.«

»Wir behandeln den Gast wie einen Freund«

Rund 11,5 Millionen Euro hat Sroka gemeinsam mit Kompagnon Sönke Kähler inzwischen in das 2013 eröffnete Beach Motel gesteckt, beschäftigt hier fünfzig Mitarbeiter. Schon jetzt hat das 103-Zimmer-Haus nach eigenen Angaben eine Auslastung von über neunzig Prozent. »Wir behandeln den Gast wie einen Freund«, erklärt der 41-Jährige den Erfolg, vergisst aber zu erwähnen, dass seine Häuser trotz aller Lässigkeit, trotz des sehr jungen, hippen Personals keine Praktikanten­stadel sind, sondern absolut pro­fessio­nell geführt werden.

Jens Sroka ist vor Ort bestens verdrahtet. Seine Partner Sönke Kähler und Stephan Johannsen kennt er ebenso wie den Architekten Thomas Ladehoff schon von früheren Projekten, seine persönliche Assistentin ist eine »uralte Freundin«. Freundschaften sind ihm auch privat sehr wichtig, gemeinsam essen gehen oder ins Kino, um die Häuser ziehen. Seit drei Jahren ist er außerdem mit seinem neuen Partner Christian glücklich. Wie er dafür Zeit findet? »Ich habe ein tolles Team hinter mir, auf das ich mich wirklich verlassen kann.«

Jetzt werkelt er schon an den nächsten Projekten. Im Jahr 2019 soll in Büsum das Lighthouse Hotel fertig sein, ein rustikales, aber dennoch schickes Haus für die ältere Generation. Im Dezember hat er außerdem sein zweites, etwas gehobeneres Beach Motel mit 115 Zimmern sowie 62 Apartments gestartet, diesmal in Heiligenhafen an der Ostsee. Auf dem dortigen Nachbargrundstück steht schon die kürzlich eröffnete Bretterbude, ein ähnliches Konzept, aber rockiger und jünger, mit achtzig einfachen, supergünstigen Zimmern und Self-Service. Denn ein Ziel hat Jens Sroka trotz aller Erfolge bislang immer noch nicht erreicht: »Im Beach Motel ist das Durchschnittsalter wider Erwarten über vierzig. Mit der Bretterbude wollen wir jetzt wirklich die jüngeren Zielgruppen unter 35 ansprechen.«