Titelbild für Artikel „Jede Mark in den Park“
INTERVIEW: Anke Pedersen FOTOS: Jigal Fichtner

Jede Mark in den Park“

Wer in den weltbesten Freizeitpark will, braucht dafür kein Flugticket: Die Nummer eins liegt nicht etwa in Florida, sondern im südbadischen Rust, und die Zahl der Besucher im Europa-Park steigt ebenso beständig wie die seiner Attraktionen. Ganz getreu dem Motto der Inhaberfamilie: »Denken in Generationen, nicht in Quartalsberichten.«

Check-in: Herr Mack, zusammen mit Ihrem Vater, Ihrem Bruder und Ihrem Onkel sind Sie geschäftsführender Gesellschafter der Mack International GmbH, zu der nicht nur der Europa-Park gehört.

Thomas Mack: Wir führen unser Familienunternehmen in der achten Generation und den Europa-Park in der dritten. 1780 begann die Familie Mack mit dem Bau von Kutschen, 1921 gab es die erste Mack-Achterbahn, und 1975 haben wir den Europa-Park eröffnet. Geplant war der ursprünglich nur als Ausstellungsstandort für unsere Achterbahnen, geöffnet nur sechs Monate pro Jahr.

Eine Art Expo-Gelände also? Mack Rides zählt ja zu den weltweit führenden Achterbahnherstellern. Sogar die Wilde Maus ist eine Erfindung aus dem Hause Mack.

Ja, und der Vertriebsgedanke stand da klar im Vordergrund. Disneyland diente als Vorbild für meinen Großvater, meinen Vater und ihren Partner, einen Schausteller. Leider starb dieser sechs Wochen vor der Eröffnung. Eigentlich hatten wir den Park gar nicht selbst betreiben wollen. Aber dann haben wir es doch selbst gemacht und uns so vom Maschinenbau- zum Dienstleistungsunternehmen entwickelt.

Zu einem überaus erfolgreichen! Im Eröffnungsjahr haben 300.000 Menschen den Park besucht, 2016 waren es 5,5 Millionen, davon achtzig Prozent Wiederkehrer. Einen regelrechten Ansturm gab es, nachdem der Europa-Park 1995 das erste Themenhotel eröffnet hat. Im Jahr 2000 erhielt Ihr Vater dafür den Special Award beim Hotelier des Jahres.

Genau. Nur vier Jahre nach dem ersten Hotel kam schon das nächste Haus, und dann ging es Schlag auf Schlag. Stetige Investitionen sind die Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg. Heute bieten wir über hundert Attraktionen, seit 2014 sind wir dreimal in Folge zum weltbesten Freizeitpark gewählt worden. Dabei haben wir viel gelernt in dieser Zeit. Auch, weil wir anfangs vielleicht falsch geplant hatten.

Und was Sie falsch angegangen waren, haben Sie dann korrigiert beziehungsweise optimiert?

Ja, das Motto meines Großvaters lautete: Jede Mark in den Park. Wir haben uns also nie ausgeruht. Auch größenwahnsinnig waren wir nie. Mein Opa sagte immer, man muss mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. Man kann immer nur ein Schnitzel essen.

Ist das das Geheimnis des Mack’schen Erfolges? Dass Sie immer am Ball bleiben?

Wir optimieren jeden Tag, stellen uns jeden Tag infrage. Wir wohnen alle im Park, sind hier sehr präsent und machen ständig Umfragen unter unseren Gästen zu Dingen wie Preis, Größe et cetera, weil wir wissen wollen: Was kommt wie an? Der Vorteil in einem Familienunternehmen ist, dass man auch mal was ausprobieren kann. Alle zwei Wochen haben wir ein Geschäftsführermeeting und sprechen über Investitionen. Alles ist pulsierend und veränderbar – wir stehen nicht still. Da denken wir in Generationen und nicht in Quartalsberichten.

Familienunternehmen können einfach mal was ausprobieren.

Sie selbst sind nicht nur Unternehmer, sondern auch Hotelier.

Ja, ich bin Diplom Hôtelier, also praxisorientiert und Betriebswirt. Ich war erst 14 Jahre alt, als wir das erste Hotel eröffnet haben, aber immer eingebunden. Daher bin ich auch verantwortlich für die Geschäftsbereiche Hotel und Gastronomie, aber auch Entertainment und Confertainment …

Damit meinen Sie das Confertainment Center, in dem Sie ­inzwischen auch Kapazitäten für Tagungen, Kongresse und Events anbieten?

Genau.

Und wie sind die Verantwortlichkeiten innerhalb Ihrer Familie sonst verteilt?

Mein Bruder Michael ist zuständig für Parkbetrieb, Bau- und Sicherheitsmanagement, Media and Digital Development und unser Tochterunternehmen Mack Media, da gibt es vielerlei Verzahnungen. Zum Beispiel probieren wir ganz viele Achterbahn-Prototypen hier zuerst aus. Damit können wir dem Kunden Zahlen und Erfahrungswerte aus dem operativen Betrieb bieten. Beispielsweise, ob der Megacoaster mehr Männer oder Frauen anzieht, in welcher Altersgruppe er bevorzugt wird – solche Zahlen. Unser Motto ist niemals schneller, höher, weiter, sondern Happy Family.

Happy Family?

Das ist ein Animationsfilm in 4-D, bei dem mein Bruder – ­genauer: Mack Media – Co-Produzent von Warner Bros. ist. Der Film läuft seit Ende August weltweit in den Kinos. Seit Kurzem ist auch unsere Schwester Ann-Kathrin im Park tätig. Sie ist Architektin und arbeitet in der Designabteilung Mack Solutions. Unser Onkel ist verantwortlich für Human Resources, Finance und Merchandising und mein Vater für alles. Allerdings hat er uns schon früh viel Verantwortung übertragen. Wir sind hier groß geworden und unser Vater hat uns auf unsere Aufgaben vorbereitet. In jedem Urlaub waren wir in Freizeitparks. Ich selbst bin mit 26, direkt nach dem Studium, ins Unternehmen gekommen. Ich hab’s kaum erwarten können, hier einzusteigen. Man kann Menschen glücklich machen, und mit den eigenen Kindern kann man sich noch mal zurückversetzen. Mein Bruder und ich haben je zwei Kinder.

Die nächste Mack-Generation ist also gesichert.Welche Faktoren spielen eine Rolle für den – auch zukünftigen – Erfolg des Europa-Parks?

Zuerst ist da das Jahreszeitenkonzept, das zu unseren Erfolgsfaktoren gehört. Seit 2001 haben wir auch eine Wintersaison und bieten jedes Vierteljahr etwas Neues. Daher haben wir auch so viele Wiederkehrer. Beispielsweise verteilen wir zu Halloween 180.000 Kürbisse auf dem Gelände und entwickeln dazu Events wie Traumatica. Das ist nicht einfach nur gruselig, das ist die ganz harte Nummer. Zu Weihnachten stellen wir 2500 Weihnachtsbäume auf.

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Für Nachmacher: tägliche Optimierung, Selbstkritik und Gästeumfragen

Der Europa-Park in Zahlen

Eröffnung: 1975
Mitarbeiter: 3700
Besucher:
- Im Jahr 2016: 5,5 Millionen
- Mehrtagesgäste: 23 Prozent
- Wiederkehrer: 80 Prozent
Shops: 60
Kooperationspartner: 120
Fläche: 134 Hektar (95 Hektar bebaut)
Portfolio:
- Mehr als 100 Attraktionen
- 15 europäische Themenbereiche
- 8,3 Kilometer Achterbahnschienen, auf denen 50.000 Menschen pro Stunde transportiert werden
- 59 Gastronomiebetriebe im Park 
Übernachtungsmöglichkeiten
- 5 Vier-Sterne-Hotels
- ein Camp-Resort
- ein Camping-Platz
Geplante Eröffnung der Wasserwelt: 2019

Dann natürlich der Faktor Servicequalität. Zum Beispiel gestalten wir die Wartebereiche neuerdings so, dass sogar das Warten auf eine Show oder eine Achterbahnfahrt zum Erlebnis wird. Wir wollen immer besondere Erlebnisse und setzen auch Vorschläge um. Beispielsweise haben wir seit Kurzem eine Wartezeiten-App für die einzelnen Attraktionen.

Sogar Feinschmecker kommen hier auf Ihre Kosten!

Ja, unser Zwei-Sterne-Restaurant Ammolite – The Lighthouse Restaurant hilft der gesamten Hotellerie und Gastronomie im Park. Wir arbeiten nicht nur profitorientiert, sondern zahlen auch auf die Attraktivität ein. Betriebswirtschaft ist wichtig, steht bei uns aber nicht immer an erster Stelle. Sehr wichtig ist uns das Preis-Leistungs-­Verhältnis, und wir glauben, dass wir für den Preis viel bieten; alle Shows und Attraktionen sind ja im Eintrittspreis enthalten. Überdies investieren wir viel und stetig in die Bestandspflege und in Weiterentwicklungen von Attraktionen. Erst im Juni haben wir das Voletarium eröffnet, Europas größtes Flying Theater.

Eigentlich müssten ja schon alle auf Ihrer Matte gestanden haben, von Warner bis Disney.

Wir wollen ein Familienunternehmen bleiben. Dazu haben wir eigens eine Familiencharta entwickelt und dazu ein Umsetzungsbuch. Darin haben wir festgeschrieben, was unsere Werte sind. Die Charta ist generationenunabhängig, und das Umsetzungsbuch hilft dabei, die Charta in der jeweils jetzigen Zeit umzusetzen.

Planen Sie weitere Parks oder eine Dependance? Vielleicht sogar im Ausland?

Wir glauben, dass es uns braucht. Dass nicht nur der Name draufsteht und mehr nicht. Es gab nie einen Masterplan für den Park. Das Ziel ist, daraus eine Kurzreisedestination zu schaffen, und wir haben genug Fläche, um all unsere Visionen zu verwirklichen. Wir reden nicht so viel, wir machen einfach.

Herr Mack, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.