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TEXT Sven Heitkamp

Hotel sucht Gast (m/w)

Onlinedating ist im digitalen Zeitalter so normal geworden wie eine Hotelbuchung: Große Lieben beginnen immer öfter im Internet – sofern es denn funkt. Das freilich funktioniert nur, wenn man sich entsprechend gut präsentiert. Für Hotels auf OTA wie HRS gilt das ebenso wie für Singles in Partnerbörsen wie Parship.

Das ging ja flott. Gerade mal elf Minuten ist das Profil bei der Partnervermittlung mit dem roten Herzen online. Da bekommt der grau melierte Mann, fünfzig, sportlich, humorvoll, familiär, bereits ein erstes Lächeln geschickt. Die Absenderin ist nach eigenem Bekunden selbstständig, 52, attraktiv, jung geblieben und zuverlässig. So geht das mehrmals am Tag: Da werden Lächler und Komplimente ausgetauscht, Profile besucht, Fotos freigeschaltet und Nachrichten geschrieben mit dem Tenor: »Wenn ich bei dir herumstöbere, denke ich mir, dass ein Kontakt mit dir bestimmt nicht langweilig wird.«

Offenkundig war das Profil des Singles ziemlich attraktiv für die Damenwelt. Aber wie schafft man es, sich so im Internet zu präsentieren, dass man anderen auf- und gefällt? Welche Zauberworte bezirzen das andere Geschlecht, welche Bilder machen neugierig? Klar ist: Wer durchs Internet surft, will sich mit wenigen Klicks ein Bild machen und ist meist ungeduldig – ähnlich wie im analogen Leben. Die Menschen entscheiden blitzschnell nach Bauchgefühl. In der Regel bestimmen die ersten sieben Sekunden einer Begegnung darüber, ob wir eine Person mögen oder nicht. 

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Eric Hegmann, Parship: Präzision statt Worthülsen, Details statt Allgemeinplätze

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance

Es zählt die Magie des ersten Augenblicks. »Man bekommt keine zweite Chance auf den ersten Eindruck«, betont Diplompsychologin Lisa Fischbach, bei Elitepartner für das Matchmaking und die Forschung zuständig. »Ein falscher Eindruck ist schwer zu revidieren.« Daher wäre es absolut fahrlässig, den ersten Moment zur Präsentation zu vermasseln. Fischbach weiß, wovon sie spricht – sie forscht seit mehr als zwölf Jahren über das schönste Gefühl der Welt und hat bereits mehrere Ratgeber veröffentlicht.

»Nutze deine Chance!«, sagt Fischbach. »Das Onlineprofil ist die persönliche Visitenkarte. Es sollte mit viel Engagement und Leidenschaft ausgefüllt werden – und übrigens auch fehlerfrei.« Wichtig dabei: Die verschiedenen Kategorien, die man im Portal ausfüllen kann, sollten als Charme­offensive genutzt werden, um die Anziehungskraft zu erhöhen – gerade Freitextfelder sollte man nicht brachliegen lassen. Bei Parship gehört dazu die Kategorie: »Was mich gerade bewegt«. Mitglieder, die dieses freie Feld bespielen, erhalten fast doppelt so viele Anfragen wie andere. Denn sie fallen beim Schaulaufen ins Auge und bieten schöne Berührungspunkte für erste Nachrichten. Oder anders gesagt: Die beste Ausstattung bringt nichts, wenn man sie nicht ins Schaufenster stellt.

Eric Hegmann arbeitet seit Jahren als Singleexperte, Paarberater und Coach für die große Partnervermittlung Parship – und berät in Fragen zur Profilgestaltung im Netz. Sein erster Tipp lautet: Vor Allgemeinplätzen und Plattitüden hüten! »Sätze wie ›Ich lese gern‹ und ›Ich höre gern Musik‹ schreibt fast jeder«, sagt Hegmann. »Sie verpuffen.« Gleiches gilt für Kalenderweisheiten, die jeder Zweite verwendet. Der Antiklassiker: »Nur mit dem Herzen sieht man gut«! Als Zimmervermieter würde man ja wohl auch nicht dichten: Die Zimmer liegen schön ruhig und sind mit Dusche und WC ausgestattet.

»Das Onlineprofil ist die Visitenkarte. Es sollte mit viel Engagement und Leidenschaft ausgefüllt werden.«

Viel besser sei es, ins Detail zu gehen und seine Erzählung zu begründen, etwa: »Der Film ›50 erste Dates‹ hat mir richtig gut gefallen, weil er unglaublich romantisch und humorvoll ist.« Die klassische Parship-Frage: »Ein Tag ist für mich perfekt, wenn …« sollte nicht einfach mit »Sport treiben« und »Hobbys nachgehen« beantwortet werden. Besser sind individuelle Beschreibungen wie: Ein entspannter Lauf um die Außenalster – weil es mein Lieblingsort ist und ich dabei am besten runterkomme. »Mit anschaulichen Aussagen eröffnet man eine andere Welt«, sagt Hegmann. »Wer wahrhaftig und konkret wird, betreibt kein peinliches Selbstmarketing, sondern zeigt sich authentisch. Dem Leser entsteht ein Bild vor Augen.« Worthülsen dagegen können alles und nichts verheißen, weil sie für jeden etwas anderes bedeuten können. Die Chance auf einen Treffer und ein Date ist daher umso größer, je mehr greifbare Inhalte ein Mensch über sich einstellt. Daher rät Hegmann: »Malen Sie eine kleine Landkarte Ihrer Persönlichkeit.«

Lohnenswert: Investition in gute Fotos

Wer potenzielle Partner online umwirbt, sollte ohnehin im Kopf behalten, dass er nicht allein ist. Bei den diversen Partnervermittlungen im Internet sind Millionen Nutzer mit ihren Profilen unterwegs. Für die richtige Verlockung ist es also wichtig, sich so gut zu beschreiben, dass man interessant wird, sich von anderen unterscheidet und dem anderen Emotionen vermittelt. Fischbach rät vor allem dazu, mit wenigen Worten Bilder zu malen und es duften und knistern zu lassen. Von dem »perfekten Frühstück am Wochenende« zum Beispiel könne man eine Kostprobe geben: »Ich hole frische Brötchen von meinem Lieblingsbäcker, mache einen kleinen Obstsalat, koche Eier und grünen Tee.« Im Übrigen lohne es sich immer, in gute Fotos zu investieren. Sie sagen oft mehr als viele Worte.

Expertentipps für Hoteliers 

• Füllen Sie Ihr Profil mit Leben: Ein kurzer persönlicher Willkommenstext lockert auf und sorgt für einen sympathischen ersten Eindruck. Beschränken Sie sich ruhig auf ein bis drei gute Sätze.

• Zeigen Sie, dass Sie Ihr Profil aktuell halten. Damit signalisieren Sie, dass Ihnen die Gäste und der Kontakt zu Ihnen am Herzen liegen!

• Wer sich beim Onlineprofil wenig Mühe gibt, signalisiert wenig Einsatz. Zeigen Sie, dass Sie es ernst meinen, und füllen Sie alle Felder möglichst vollständig und persönlich aus. 

• Feine Details machen ein Profil sympathisch und anziehend, vor allem ein charmanter Auftritt und Echtheit. Zeigen Sie zum Beispiel bei den Themen Stil, Atmosphäre und Besonderheiten des Hotels die Persönlichkeit Ihres Angebots mit kleinen Beispielen – nicht mit Klischees und Allerweltsbeschreibungen.

• Gestalten Sie Ihr Profil freundlich, offen und optimistisch – also positiv!

• Achten Sie auf Rechtschreibung. Wenn sich ein Fehler an den nächsten reiht, reagiert der Besucher abweisend.

• Fragen Sie Ihre Gäste nach deren Meinung! Nutzen Sie die Bewertungen und antworten Sie Ihren Gästen mit persönlichen Worten.

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Lisa Fischbach, Elitepartner: »Ein falscher Eindruck ist schwer zu revidieren.«

Die Berater der Onlineportale geben eindringlich zu bedenken, was ein nachlässig angelegtes, nicht gepflegtes Profil vermittelt: Wer mit seinem Auftritt im Internet achtlos umgeht, vermittelt das Gefühl, dass ihm die Suche nach dem anderen und der Kontakt nicht wichtig sind. Hegmann: »Ein mieses Foto, unscharf, verwackelt oder mit Schatten, zeigt symbolisch: Ich gebe mir keine Mühe bei der Partnersuche. Also gebe ich sie mir wohl auch nicht mit der Partnerschaft.« 

Zu einer Charmeoffensive gehört es freilich auch, seine Schokoladenseiten zu zeigen. Parship hat in Untersuchungen festgestellt, dass positive Profile deutlich mehr Aufmerksamkeit und Antworten bekommen. Sobald jedoch der Eindruck ruiniert wird, dass man mit jemandem Spaß haben kann, klicken Besucher weg. »Pessimisten küsst man nicht!«, sagt Hegmann. »Man sollte für etwas brennen – denn Begeisterung steckt an.« Ein Profil solle daher optimistisch, lebensbejahend, neugierig und offen sein – dann wirkt es sympathisch.

Bei der Wahrheit bleiben sollte man dennoch. Denn wer Luftschlösser baut, fliegt auf, so die Erfahrung – spätestens beim ersten Date. Eine mehr als schlechte Basis, die große Enttäuschungen hervorruft. Schließlich wirkt es schnell unseriös und unglaubwürdig, sich schon beim ersten Rendezvous bekennen und erklären zu müssen. »Die Wahrheit ist das Fundament, auf dem alles danach aufbaut«, betont Arne Kahlke – ein Insider. Kahlke war Mann der ersten Stunde bei Parship und Erfinder des Slogans »Alle elf Minuten …«. Er hat Elitepartner gegründet und führt nun das Portal Lemonswan, das für Studenten, Azubis und Alleinerziehende kostenlos ist; weil sie sich andere Plattformen oft nicht leisten können. »Lügen haben kurze Beine und rächen sich beim ersten Treffen«, weiß Kahlke. Lieber solle man seine Vorzüge und Alleinstellungsmerkmale auf den Punkt bringen, denn: »Ehrlichkeit zu sich selbst und realistische Einschätzungen sind das A und O«, so Kahlke. Motto: Seid gut und zeigt es auch!

Vertraute und Profis nach ihrer Meinung fragen

Allerdings: Wer zu lange allein vorm Computer sitzt, wird einsam. Schnell kann das Gefühl dafür verloren gehen, was für das Profil bei der Partnervermittlung passt und welche Verlockungen fehlen. Die Experten raten daher unisono dazu, sich mit Vertrauten auszutauschen, da sie die Eigenschaften des Singles gut kennen und ehrlich beschreiben können. Manche Partnerbörsen bieten zudem die Chance, den eigenen Auftritt von Experten oder anderen Gästen kommentieren zu lassen und so seine Reize zu erhöhen. Der grau melierte Mann mit den vielen Lächlern hat es getan. Der hohe Flirtfaktor gibt ihm recht – er ist frisch verliebt.