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TEXT: Silke Becker FOTOS: Cornelis Gollhardt

Der Markenmacher

Thomas Edelkamp war über Jahrzehnte in der Konzernhotellerie zu Hause, viele Jahre in Führungspositionen bei Accor. Da wirkte der Wechsel zu Romantik Hotels für viele aus der Branche wie ein abrupter Bruch. Doch für den 54-Jährigen hat sich damit ein Kreis geschlossen.

Ich hatte eine fantastische Zeit bei Accor, aber irgendwann geht es in jedem Unternehmen nicht mehr weiter«, sagt Thomas Edelkamp. Bei den Franzosen hatte der Marketingspezialist alles erreicht, ihm fehlten neue, spannende Herausforderungen und aufregende Projekte. Konsequent und geradlinig, wie er nun mal ist, zog er nach mehr als 15 Jahren die Reißleine, gab eine sichere Führungsposition mit entsprechendem Gehalt einfach auf; in einem Alter, in dem andere schon die Rente planen. »Das war für mich völlig logisch und fühlte sich richtig an.« Und das, obwohl anfangs noch gar nicht klar war, wie es für ihn weitergehen sollte. »Wenn man will, gibt es immer etwas zu tun.«

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Thomas Edelkamp


1963
geboren in Billerbeck
1979–1982 Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten FA I, Gemeinde Havixbeck
1984–1987 Parkhotel Wehrle, Triberg im Schwarzwald, Ausbildung zum Hotelkaufmann
1987 Ramada Hotel Berners Street, London
1987–1989 Le Meridien Piccadilly Hotel, London
1990–1997 Choice Hotels International
1997–2014 Accor Hospitality Germany, zuletzt VP Franchise Development, Mitglied der Geschäftsleitung
2004 General Management Qualifier, Graduate School of Business, Zürich
2004–2006 GF – 2006 Fifa World Cup Accommodation Services, Frankfurt
2007–2012 Dualer MBA am Lorange Institute of Business, Zürich, und der University of Wales
Seit Januar 2015 Romantik Hotels & Restaurants AG, Frankfurt, Vorstandsvorsitzender

Er sollte recht behalten: Auf der Expo in München erfuhr Edelkamp wenig später, dass in der Führungsetage von Romantik ein Wechsel anstand. »Ich habe dann gewitzelt, dass der Aufsichtsrat ja mal bei mir anrufen könnte.« Aus Spaß wurde Ernst und seit Januar 2015 ist Thomas Edelkamp Vorstandsvorsitzender der Romantik Hotels & Restaurants AG. Für diesen Job musste der Münsterländer nicht allzu viel Überzeugungsarbeit leisten: Seine ­Erfolge bei der Einführung des Multimarken-Vertriebs bei ­Accor, beim Marketing der Marken Sofitel, Novotel und Mercure sowie bei der Integration der Dorint-Häuser sprachen für sich.

Auch seine Leistungen bei der Vorbereitung der Fußball-WM 2006 in Deutschland waren vielen noch in bester Erinnerung. Während »die Welt zu Gast bei Freunden« war, hatte Thomas Edelkamp im Hintergrund dafür gesorgt, dass genügend Betten für Athleten, Betreuer und Fans zur Verfügung standen. »Das war eine Once-in-a-lifetime-Gelegenheit, ein ganz toller Spirit«, schwärmt Edelkamp.

Back to the Roots

Mit seinem Einstieg bei Romantik ist der 54-Jährige zu seinen Wurzeln zurückgekehrt: Den Grundstein für seine internationale Karriere hat er im damaligen Romantik-Haus Parkhotel Wehrle in Triberg (Schwarzwald) gelegt, wo er seine Ausbildung zum Hotelkaufmann absolvierte. »Ich wollte ursprünglich mal Hoteldirektor in einem Fünf-Sterne-Hotel in Hongkong werden.« Dieser Traum bestand den Realitätscheck jedoch nicht allzu lange: »Das war mir zu sehr Day-by-Day-getrieben.«

Trotzdem blieb er der Hotellerie treu, arbeitet nach dem Abschluss zunächst in London, unter anderen im Ramada und Le Meridien. Anschließend wechselte er zu den Choice (früher Quality) Hotels und baute in Oslo als Marketingchef die Choice Hotels Scandinavia mit auf. »Damals habe ich den Markengedanken wirklich verstanden.« Bis »völlig überraschend« ein Anruf von Accor kam mit dem Angebot, in München den Vertrieb der verschiedenen Accor-­Marken zusammenzuführen, »das fand ich spannend«.

Liebe auf Norwegisch

Auch privat fand Thomas Edelkamp, der fließend Norwegisch spricht, in Oslo sein Glück: Gry, bereits Mutter von zwei halbwüchsigen Töchtern und Inhaberin eines Blumenladens. Heiraten wollte Edelkamp damals eigentlich nicht mehr, das »Desaster« seiner ersten Ehe reichte ihm völlig. Er riskierte es trotzdem: »Die beste Entscheidung meines Lebens.« Bis heute läuft der Alltag von Thomas und Gry auf Norwegisch, der Sprache ihrer Liebe. »Deutsch spreche ich mit ihr nur, wenn ich sauer bin.«

Starke Marken, davon ist Thomas Edelkamp seit Oslo überzeugt, stehen für die Zukunft der Hotellerie. »Die Marke ist ein Qualitätssiegel und gibt dem Kunden die Sicherheit, die er sucht.« Und sie sorge für zusätzliche Gäste. »Wer einmal gute Erfahrungen mit einer Marke gemacht hat, probiert natürlich auch die anderen Häuser aus.« Nicht zuletzt sind Marken für Edelkamp ein starkes Pfund beim Kampf um gute Leute, »dem wichtigsten Problem der Zukunft«.

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Expansionspläne: Wachstum mit regional verankerten Stadthotels

Romantik neu erstrahlen lassen

Marken aufbauen oder neu positionieren und dabei unterschiedliche Interessen, Wünsche und Ziele unter einen Hut bringen, also genau das, was er vorher im Konzern gemacht hat, will Edelkamp auch jetzt umsetzen. »Romantik gehört zu den wenigen Kooperationen, die eine starke Marke aufbauen konnten, auch wenn das in den letzten Jahren ein wenig ins Hintertreffen geraten ist«, findet er. Um der 1972 gegründeten Kooperation zu neuer Strahlkraft zu verhelfen, hat er in den letzten Monaten sehr viel Geld für seine europaweite »Kommunikationsoffensive« ausgegeben, darin enthalten ist ein neu gestalteter, mobil optimierter Webauftritt, der dem Gast Reiseinspirationen und individuelle, maßgeschneiderte Angebote bieten soll. Außerdem wirbt Romantik massiv mit TV-Spots, Anzeigen und Videos auf verschiedenen Internetplattformen. »Wir wollen die Marke Romantik für Gäste öffnen, die uns noch nicht kennen.«

Kürzlich verkündete Edelkamp die Zusammenarbeit mit der französischen Hotelkooperation Châteaux & Hôtels Collection – nicht zu verwechseln mit Relais & Châteaux Hotels – die rund 300 zusätzliche Häuser ins Portfolio brachte. Natürlich baut er auch das derzeit über 200 Häuser umfassende Romantik-Angebot in Deutschland und Europa weiter aus, hier hat er als Zielmarke 100 neue Häuser bis 2020 ausgegeben. Dabei setzt er vor allem auf außergewöhnliche Hotels mit besonderem Ambiente, wie zum Beispiel den Wasserturm in Köln, ein Neumitglied, dessen historisches Gebäude gekonnt durch ein modernes Design in Szene gesetzt wird und auch in der hektischen Großstadt für echtes Romantik-Feeling sorgt. Edelkamps Ziel: Mit den Romantik Hotels künftig nicht mehr nur in Urlaubsregionen, sondern auch in Städten Gesicht zu zeigen: »Romantik, das sind hochkarätige, regional verankerte, persönlich geführte Häuser mit einer hervorragenden Gastronomie, die Geschichten erzählen, den Gast inspirieren und besondere Erlebnisse bieten.«

»Ich würde nie etwas verkaufen, womit der Kunde nicht glücklich ist«

Keine Frage, Thomas Edelkamp hat es geschafft. Er ist ein Paradebeispiel dafür, welche Karrieren in der Hotellerie möglich sind, mit Ehrgeiz und harter Arbeit. Er selbst sieht sich als fokussiert und diszipliniert, als jemand, der nicht ins Rampenlicht drängt, sondern einfach die anstehenden Aufgaben erledigt. Seine besonderen Stärken? Ein phänomenales Gedächtnis – und »ich kann gut verkaufen«.

Dabei ist der bodenständige Münsterländer keine Laber­tasche, die selbst dem Papst ein Doppelbett andreht. Er ist erfolgreich, gerade weil er so sachlich, pragmatisch und grund­solide ist. »Ich würde nie etwas verkaufen, womit der Kunde nicht glücklich ist.« Das hat natürlich damit zu tun, dass dieser schließlich wiederkommen soll, aber auch etwas mit seinen Ansprüchen an sich selbst. »Ich stelle mir oft die Frage, ob die Entscheidungen, die ich treffe, wirklich richtig sind und ob ich auch morgen noch dazu stehen kann.«

Nicht umsonst würde er gern, hätte er noch ein weiteres Leben, in die Politik gehen, um sich für mehr Gerechtigkeit zu engagieren. Persönlich ist Edelkamp jedoch mehr als zufrieden mit dem, was er aus seinem Leben gemacht hat. »Mir geht es gut, ich habe eine tolle Frau, ich tue, was ich mag, und ich kann mir viele Dinge leisten. Wenn alles so bleibt, wie es ist, ist es schön.«