Titelbild für Artikel David ist Goliath
TEXT: Silke Becker | FOTOS: Lucas Wahl

David ist Goliath

Ungenutzte Potenziale bleiben David Etmenan nicht lange verborgen: Er erkennt versteckte Talente bei seinen Mitarbeitern und erweckt vernachlässigte Häuser aus dem Dornröschenschlaf. Gestartet mit drei Hotels, hat der 33-jährige Hamburger innerhalb weniger Jahre mehr als 120 Häuser wachgeküsst. So entwickelte er die Hamburger Novum Group Hotels zu einem der dreißig umsatzstärksten Player auf dem deutschen Hotelmarkt.

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David Etmenan

Sachlich und geradlinig, aber zum Wohlfühlen, so ist das Hamburger Headquarter der Novum Group Hotels gestaltet und so führt auch CEO und Eigentümer David Etmenan seine Häuser: Effiziente Konzernstrukturen sind verbunden mit der persönlichen Atmosphäre eines echten Familienunternehmens. »Ich habe von meinem Vater gelernt, wie man mit Menschen umgeht«, sagt der erst 33-jährige Hotelier.

Wer will, kann bei ihm sehr schnell Karriere machen, so wie Mario Michielin, der mit dreißig Jahren schon Director of Operations ist. Daneben setzt Etmenan auch auf gute Leute von außen. Sein neuester Coup: die Verpflichtung von Mario Pick als COO. »Ich hatte ihn schon länger im Auge und jetzt passte es.« Pick, vorher Geschäftsführer der Welcome Hotels, soll bei Novum vor allem Prozesse optimieren, das Employer-­Branding verbessern und die Novum Academy aufbauen. »Wir müssen jetzt in Mitarbeiter investieren, um in Zukunft keine Probleme zu bekommen.«

Höflichkeit, Respekt und vor allem Vertrauen sind für David Etmenan zentral. »Angst erzeugt nichts Fruchtbares, weder bei Kindern noch bei Mitarbeitern.« Er will keine Befehlsempfänger beschäftigen, sondern fördert Leute, die selbst denken, selbst entscheiden, und akzeptiert, dass Dinge auch mal in die Hose gehen können. »Wir sind alle Menschen, keine Maschinen.«

Erfolgsrezept: Selbstverwirklichung

»Jeder Mensch sollte die Möglichkeit bekommen, sein Potenzial zu entfalten«, findet der junge Hotelier, und das gilt natürlich auch für ihn selbst. »Meine Stärke ist der Vertrieb, und ich will nicht, dass dieses Talent verpufft.« Das Ergebnis dieser konsequent gelebten Selbstverwirklichung des David Etmenan kann sich sehen lassen: Innerhalb von wenigen Jahren hat das Vertriebstalent das elterliche Unternehmen mit drei Häusern zu einer der führenden Hotelketten Deutschlands ausgebaut. Im Jahr 2016 erwirtschaftete die Gruppe nach eigenen Angaben einen Umsatz von 115 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 101 Millionen Euro, womit die Novum Group Hotels laut AHGZ-Ranking bereits zu den dreißig umsatzstärksten Hotelgesellschaften Deutschlands gehörten.

Das Erfolgsrezept: David Etmenan hat nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Hotels ein ausgeprägtes Gespür für ungenutzte Potenziale. Nach einer Übernahme investiert er oft viel Geld in die Renovierung und Neupositionierung vernachlässigter Häuser, so wie kürzlich beim eben erst wiedereröffneten Traditionshotel Handelshof Essen. Die Rechnung geht auf. Nach eigenen Angaben haben seine Häuser eine Auslastung von über 85 Prozent.

Aktuell betreibt Novum europaweit 128 Drei- bis Vier-Sterne-Häuser in vier Produktlinien (Hotel, Style, Select und Like Apart), Tendenz stark steigend. Rund zwanzig Prozent der Häuser gehören dem Unternehmen, der Rest läuft über langfristige Pachtverträge sowie Franchise­partnerschaften mit renommierten Marken wie IHG, ­Accor und Best Western

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Novum-Stil: Déjà-vu mit einer Prise Lokalkolorit

Kinderträume? Erfüllt!

Dass er das 1988 gegründete Unternehmen seiner Eltern weiterführen will, war Etmenan »schon immer« völlig klar. »Statt zu spielen, war ich lieber im Hotel.« Schon als Kind hat er Expansionspläne, will Chef des Hamburger Traditionshauses Graf Moltke werden, dessen majestätische, strahlend weiße Gründerzeitfassade ihn fasziniert. Ein Kindertraum, den er sich 2007 tatsächlich erfüllt.

Seine Ausbildung zum Hotelfachmann macht Etmenan im elterlichen Betrieb in Hamburg, hängt danach noch ein BWL-Studium an der Nordakademie Elmshorn an. »Ich kenne alle Abläufe auch aus eigener Erfahrung, das hilft mir bei vielen Entscheidungen.« Bereits 2004 übergibt der Vater das Unternehmen an seine beiden Söhne David und Mortesa. Keine leichte Aufgabe für den gerade mal zwanzig Jahre alten David. »Ich musste durch Leistung und Können beweisen, dass das Alter keine Rolle spielt.«

Der jüngere David, nicht etwa der zehn Jahre ältere Mortesa, vertritt Novum nach außen. »Mein Bruder und ich ticken völlig unterschiedlich. Ich wollte von Anfang an stark expandieren, er wäre auch mit weniger zufrieden gewesen.« Deshalb legen beide viel Wert auf eine klare Aufgaben­teilung. David kümmert sich um den Vertrieb und die weitere Expansion, Mortesa verantwortet Personal­wesen und Bestandsmanagement. »Wir trennen strikt zwischen Beruflichem und Privatem.«

David Etmenan will sich »immer weiterentwickeln«, legt viel Wert auf »ständige Innovationen«. Nicht umsonst gehörte Novum zu den Ersten, die die Bezahlmethode Paypal akzeptierten. Seit Jahren arbeitet der Vertriebsprofi mit OTA zusammen, und andernorts gefürchtete Player wie Airbnb betrachtet er eher als Chance denn als Gefahr. Derzeit arbeitet sein Team an einer Schnittstelle, um dort die eigenen Serviced Apartments anzubieten.

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David Etmenan

1984 geboren in Kassel

1988 Nader Etmenan gründet das Hotel Hamburg Novum

2000 Eintritt ins elterliche Unternehmen

2004 Nader Etmenan übergibt das Unternehmen mit drei Häusern an seine Söhne David und Mortesa

2009 Novum betreibt zehn Häuser in Hamburg

2010 Zentralisierung der Verwaltung, Gründung der Novum Group Holding

2011 Überregionale Expansion, Übernahme von Häusern in Berlin, Köln und Dortmund

2012 Novum betreibt dreißig Hotels

2015 Wachstum auf 61 Häuser in Deutschland

2017 Europaweite Expansion; Stand bei Drucklegung: 128 Hotels an vierzig Standorten

Die Digitalisierung ist keine Bedrohung, sondern Basis des Erfolgs

Etmenan setzt auf Synergieeffekte durch standardisierte Prozesse und ein striktes Qualitäts- und Finanzmanagement. Effizienz, Flexibilität und schnelle Entscheidungen sieht er als seine größten Stärken. »Es ist alles eine Frage der Organisation.« Unstrukturierte, komplizierte Abläufe, Dinge, die nicht richtig funktionieren, so etwas kann er nicht leiden. »Wir passen unsere Prozesse ständig an.«

Die Digitalisierung ist für ihn keine Bedrohung, sondern die Grundlage seines Erfolgs, ein straffes Revenue-­Management und vor allem Dynamic Pricing gehören bei ihm schon lange zum Standard. Um die nötige Infrastruktur kümmert sich inzwischen die Tochtergesellschaft Novum IT Solutions. Dazu kommen zwei weitere Standbeine: Novum Zinshaus ist für die Verwaltung der Bestands­immobilien zuständig, Novum Flächenprofi für die Sanierung und Instandhaltung der Häuser.

Kein Ende der Expansion in Sicht

Die drei Tochtergesellschaften werden auch 2017 gut zu tun haben, denn der ambitionierte Wachstumskurs soll weitergehen. In der Pipeline ist die Übernahme zahlreicher neuer Häuser, Details werden noch nicht verraten. Zunehmend setzt Etmenan aber nicht nur auf die Übernahme bestehender Hotels, sondern auch auf eigene Immobilien. Aktuell sind 27 Neubauprojekte am Start, die Häuser sollen in den nächsten drei Jahren eröffnet werden. Damit will er die Marke Novum, derzeit eher noch ein Insidertipp, allgemein bekannter machen. Dabei setzt er auf einen Mix aus achtzig Prozent einheitlicher Gestaltung für die Wiedererkennbarkeit und zwanzig Prozent Lokalkolorit für die Individualität.

Genauso rasant wie im Beruf mag er es auch privat. Der Hamburger fährt leidenschaftlich gern Autorennen, rast mit seinem weißen BMW E36 über Rennstrecken für Hobby­fahrer. Am allerwichtigsten ist ihm jedoch seine Familie. Seit acht Jahren ist er mit Ehefrau Sahra (31) verheiratet, sein Sohn ist vier Jahre alt, die Tochter knapp zwei. »Meine Wochenenden gehören der Familie.« Die ist auch der Grund, warum der Zwölf-Stunden-Tag des Unternehmers erst gegen 9.30 Uhr beginnt: »Ich frühstücke jeden Morgen mit meinen Kindern.«

Auch seinem inzwischen 74-jährigen Vater ist David Etmenan nach wie vor sehr eng verbunden. Im Jahr 2015 gründete er »als Zeichen der Liebe und Dankbarkeit« die Nader-Etmenan-Stiftung, die verschiedene soziale Projekte fördert, vor allem für Kinder und Jugendliche. Langfristig sollen eigene Projekte initiiert werden, vor allem im Bildungsbereich. Denn auch hier folgt David Etmenan seiner innersten Überzeugung: »Jeder Mensch hat das Recht auf ein erfülltes Leben, in dem er seine Talente entfalten kann.«