Titelbild für Artikel Das Wohlfühlkloster
TEXT: Stefanie Bisping

Das Wohlfühlkloster

Mit Kutte und Kerzenlicht: Das Hotel San Gabriele in Rosenheim verbindet mittelalterliches Ambiente mit zeitgemäßem Komfort und italienischer Lebensart. Mindestens so wichtig wie die Optik ist die Qualität. Die spürt der Gast allerorten – nur am Preis nicht.

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Mario Mattera: Vom Floristen zum Gastgeber

Wie eine Trutzburg wirkt der massive Bau mit seiner ockerfarbenen Fassade und den Bleiglasfenstern. Runde Torbögen scheinen tief in die Vergangenheit zu führen. Innen dominieren Naturmaterialien: Holz, Leinen, Stein. Hohe Kerzen flackern, handgemalte Fresken zieren die Wände. Im Restaurant Il Convento rascheln die Mönchskutten der Kellner. Auch das Personal an der Rezeption trägt mittelalterliche Gewänder. Nur die Housekeeping-Mannschaft ist in leicht modifizierte Kutten gehüllt, damit die Mitarbeiter sich gut bewegen können.

Das Hotel San Gabriele in Zahlen


Eröffnung
: 2005

GM: Rainer Pommer

Standort: Zellerhornstraße 16, 83026 Rosenheim. Das klösterliche Hotel befindet sich nicht unpassend im Stadtteil Heiligblut.

Kategorie: vier Sterne

Mitarbeiter: 28

Zimmer: 38 individuell gestaltete Zimmer

Ausstattung der Zimmer: Minibar, Safe, Fernseher, Himmel- oder Wasserbett und/oder Whirlpools, zum Teil Kachelofen oder Küchenzeile. Bäder mit Waschtischen aus rotem Glas. WLAN in fast allen Zimmern (ansonsten DSL) sowie in den öffentlichen Bereichen. 

Ausstattung des Hotels: Restaurant Il Convento mit offener Feuerstelle, Weinkeller mit 3000 Flaschen und eigenem Brunnen und Platz für Verkostungen für bis zu 35 Personen. Ein Konferenzraum (bis zu dreißig Personen) mit offenem Kamin. Vermittlung von Incentives (Kochkurse, Ballon- oder Plan­wagen­fahrten). Separates Frühstücksrestaurant Refektorium. 24 Stunden geöffnete Rezeption.

Zimmerpreise: EZ 88,50–118,50 Euro, 
DZ 118–178 Euro, Frühstück 8,50 Euro

Auslastung: 85 Prozent

Gäste: Privatreisende vierzig Prozent, Geschäftsreisende sechzig Prozent

Pläne: Noch in diesem Jahr beginnt der Bau eines Annexes mit weiteren Suiten, Wellnessbereich und Tiefgarage. In eineinhalb Jahren soll der Anbau fertig sein.

Kein Zweifel: Das Hotel San Gabriele in Rosenheim sieht aus wie ein italienisches Kloster, das Schutz vor der Welt und Raum zur inneren Einkehr bietet. Dabei wurde hier nie mehr gebetet als in anderen bayerischen Häusern auch. Und alt ist es auch nicht: Inhaber Mario Mattera kaufte 1995 mit der in den Siebzigerjahren errichteten Pension Teresia einen schmucklosen Bau ohne Historie.

Nach diversen erfolgreichen Restaurants, darunter das ebenfalls durch Mittelalteroptik geprägte Il Monastero in Rosenheim, wollte Mattera den Sprung in die Hotellerie wagen. Seine Vision: ein Hotel, das ein Wohlfühl­erlebnis ohne Kompromisse bietet, mit Restaurant, Weinkeller und einem Ambiente, das die schönen Momente im Leben zu perfekten macht. Am Bau allerdings war einiges zu tun.

Ein Haus, das niemals alt wird

»Die Genehmigung für Modernisierung und Aufstockung hielt ich schon in der Hand«, erinnert er sich. Doch es kam anders. »Ich rief Rudolf Rechl an, der das Monastero entworfen hatte, und fragte ihn, ob er das Hotel­restaurant ähnlich gestalten würde«, so der heute 55-jährige Mattera. Rechl fragte zurück, warum er denn nicht gleich das ganze Hotel mittelalterlich stylen wolle. Es sei ja schon alles geplant und genehmigt, wandte Mattera ein. »Vergiss es, das ist Schrott«, erklärte Rechl. Denn: Wenn er die angejahrte Teresia nun modernisieren würde, stünden Matteras Kinder in dreißig Jahren wieder vor einer veralteten Immobilie, mit der sie nichts anzufangen wüssten. Rechls Vorschlag: »Wir bauen ein Haus, das so alt ist, dass es nicht mehr alt werden kann – ein zeitloses Gebäude.«

Mario Mattera stimmte zu. Fast das gesamte bestehende Haus wurde abgerissen. Nur der Keller blieb, entkernt und saniert. Ein Jahr hatte die Planung gedauert, drei Jahre brauchte der Bau – dann stand mitten in Rosenheim ein Quader, der aussah, als wäre er aus dem Mittelalter ins 21. Jahrhundert katapultiert worden. Nach der Eröffnung Anfang 2005 widmete der Perfektionist Mattera drei weitere Jahre der Optimierung des Hauses.

Muss der Gast am Frühstück sparen, ist mein Ziel verfehlt.

Mario Mattera stimmte zu. Fast das gesamte bestehende Haus wurde abgerissen. Nur der Keller blieb, entkernt und saniert. Ein Jahr hatte die Planung gedauert, drei Jahre brauchte der Bau – dann stand mitten in Rosenheim ein Quader, der aussah, als wäre er aus dem Mittelalter ins 21. Jahrhundert katapultiert worden. Nach der Eröffnung Anfang 2005 widmete der Perfektionist Mattera drei weitere Jahre der Optimierung des Hauses.

So wurde das San Gabriele für den auf der Insel Ischia geborenen gelernten Floristen, der mit sechzehn Jahren auf Weltreise ging und in Deutschland hängen blieb, als Tellerwäscher und Kellner arbeitete und mit 25 Jahren sein erstes Restaurant Mario eröffnete, zum Abenteuer seines Lebens. Das Hotel erhielt den Namen seines Vaters Gabriele, der dem Sohn – »trotz einiger Sorgen« – den Passantrag unterschrieb und den Reise­segen erteilt hatte.

Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar

Trotz der außergewöhnlichen Ästhetik soll das San Gabriele nicht nur optisch wirken. »Jedes Detail ist wichtig. Denn auch, wenn der Gast es gar nicht bemerkt, trägt es dazu bei, dass er sich wohlfühlt«, erläutert Mattera seine Maxime. Die 38 klösterlich-puristischen Zimmer dominieren hochwertige Textilien, in den Bädern beeindrucken blutrote gläserne Waschtische und vergoldete Wasserhähne. In den öffentlichen Bereichen brennen stets knapp hundert Kerzen. »Jede einzelne ist bewusst platziert und erfüllt ihren Zweck«, so Mattera. Ergebnis ist eine Atmosphäre, die den Gast weit aus dem Alltag führt.

Weniger auffällig sind andere Details: Jedes Türschloss hat ein Schlosser gefertigt, die Dichtungen der Bleiglasfenster sind aus Leder, jede Tür besteht aus zwei Platten – einige sind von außen oval, von innen aber eckig. Keine zwei Türen, Fenster und Bäder im Haus sind gleich. Individualität, Handwerk und Handarbeit sind oberste ästhetische Prinzipien.

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    Digital Detox: 38 von Elektrosmog befreite Zimmer

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»Viele Investitionen sieht der Gast gar nicht«, erklärt Mario Mattera. Die Abschirmung der Räume vor Elektrosmog und Feinstaub gehört ebenso dazu wie ein System zur Renaturierung von Leitungswasser, das es weicher und verträglicher macht. »Der Gast bemerkt diese Maßnahmen nicht, aber er ­profitiert davon«, so der Hotelier. Auch die Verwendung von naturbelassenem Holz, die indirekte Beleuchtung, der Gewölbecharakter der Räume und die warme Farbpalette trügen zur ganzheitlichen Wohlfühlatmosphäre bei.

Frühstück als Investition für höhere Auslastung

Das Frühstück im Restaurant Refektorium berechnet Mattera gesondert – mit 8,50 Euro pro Person. »Es ist ein Frühstück, das in allem Vier-Sterne-Standard entspricht – nur nicht im Preis.« Konsequenz: Kaum ein Gast lässt es aus. Mattera: »Wenn ich ein wunderschönes Zimmer biete mit großem Komfort – und darauf achte ich sehr –, aber der Gast das Gefühl hat, er müsse am Frühstück sparen, dann habe ich mein Ziel verfehlt.« Denn ein gutes Frühstück sei nun mal untrennbar mit einem positiven Hotelerlebnis verbunden. Hervorragender Kaffee etwa sei ihm sehr wichtig: »Das ist ein Produkt, an dem ich nie sparen würde.«

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Weichgespült: Renaturiertes Leitungswasser

Die Zufriedenheit des Gasts mit dem Frühstück betrachtet Mattera als handfestes Kapital. »Wenn er das Gefühl hat, viel für sein Geld zu bekommen, äußert er das in seinen Kommentaren auf Bewertungsplattformen – und er kommt wieder.« Dann habe der Hotelier vielleicht 10 oder 15 Euro weniger pro Gast eingenommen, erziele aber langfristig eine höhere Auslastung.

Im Restaurant, in dem die in Kutten gewandeten Kellner italienische Spezialitäten servieren, verfolgt Mattera einen ähnlichen Kurs: »Ich bin gegen überzogene Preise, möchte etwas Besonderes zu normalen Preisen bieten.« Denn: »Schönes sollte jedem zugänglich sein.« Das Vier-Gänge-Tagesmenü kostet 35 Euro, das siebengängige Candle-­Light-­Dinner 49 Euro. Das wissen nicht nur Hausgäste zu schätzen: Fünfzig Prozent der Restaurantgäste kommen von außerhalb; außer der Küche, der Atmosphäre und dem Preis-Leistungs-Verhältnis schätzen sie den persönlichen, herzlichen Ton.

Den Gast nie enttäuschen

»Mein Ziel ist es, den Gast nie enttäuscht zurückzulassen«, sagt Mattera. Diese Philosophie übertrage sich auf die Mitarbeiter. Wenn jemand etwa später anreise und nach Mitternacht noch Hunger habe, dann bekomme er auch etwas. Die Rezeption ist rund um die Uhr besetzt, damit jedes Problem sofort gelöst, jede Frage geklärt werden könne. Die Mitarbeiter teilen Matteras Ideal einer »hundertprozentigen Dienstleistungsbereitschaft mit Herz und nach bestem Wissen und Gewissen«.

Nächstes Projekt ist eine Erweiterung des Hotels um Suiten, Tiefgarage und einen Wellnessbereich, die Mattera wiederum mit Bauplaner Rudolf Rechl angeht. Im neuen Anbau soll die Summe ihrer Erfahrungen zusammenfließen. »Ich entdecke immerzu Neues, zuletzt bei einer Reise mit meiner Familie«, erklärt er. In schottischen Schlössern fand er Anregungen für neue Details. Denn auch ein Gesamtkunstwerk kann immer noch schöner werden.